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Band 7 Der Klub der Harmlosen

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 7 Band 7 (Public Domain)

147 — 
Öberstaaisanwalt: Hat die Zeugin nicht einmal bei Gelegen- 
heit eines Balles bei dem Fräulein Lona Kussinger einen 
sehr kostbaren Fächer bemerkt, den diese von Herrn v. 
Kröcher. erhalten hatte. Wie teuer sollte der Fächer sein? 
— Zeugin: Herr v. Kröcher sagte damals, etwa 300 M. — 
Vors.: Auf Grund eines anonymen Schreibens frage ich die 
Angeklagten v. Kayser und v. Kröcher: Kennen Sie eine 
Valerie Schäfer oder eine Dörthe Eckardt, oder haben Sie 
bei der zurückgelassenen Gattin des „ollen ehrlichen See- 
mann“ hannoverschen Andenkens verkehrt? — Beide An- 
geklagten bestritten entschieden alle diese Andeutungen des 
anonymen Schreibens. — Justizrat Dr. Sello hielt eine Vor- 
ladung der Frau Seemann und des Herrn Eichler für not- 
wendig, wenn auf solch anonymes Geschreibsel überhaupt 
etwas gegeben werden sollte. — Die nächste Zeugin war das 
Dienstmädchen Anna Beyer, über deren Geisteszustand Be- 
denken obwalteten. Sie hatte seinerzeit bei dem Angeklag- 
ten v. Schachtmeyer bzw. dem Fräulein Ulrich gedient. Sie 
behauptete: sie habe mehrfach Ohrfeigen erhalten. Eines 
Tages habe sie gehört, daß v. Schachtmeyer das Fräulein 
Ulrich schlug, und da habe sie sich furchtbar erschrocken 
und sei davongelaufen. Sie habe die Angeklagten v. Kröcher 
und v, Kayser ölter bei v. Schachtmeyer gesehen; sie spiel- 
ten Roulette. Auch ein älterer Herr sei öfter bei v. Schacht- 
meyer gewesen. Die Zeugin begleitete ihre Aussagen wie- 
derholt mit einem eigentümlichen Lachen. Der Oberstaats- 
anwalt verzichtete auf eine Vereidigung der Zeugin, da er 
Bedenken bezüglich ihres Geisteszustandes habe. Der Ge- 
richtshof beschloß, die Zenrin nicht zu vereidigen, da sie 
sich über die Tragweite “rer . ussage nicht klar sein dürfte. 
— Am dritter Verhang! erstage bestritt der Angeklagte 
v. Kayser, daß er für Cic Zamilie Voigt in der Lüneburger 
Straße die Wohnungsmiete bezahlt habe. Da er Beamter sei, 
der sich später vor dem Minister zu verantworten haben 
werde, so liege ihm daran, die Dinge richtigzustellen. — 
Graf Reventlow bekundete hierauf als Zeuge: Er habe nur 
einmal im „Klub der Harmlosen‘“ gespielt und dabei 800 M. 
gewonnen. Man könne den drei Angeklagten jedenfalls 
nicht den Vorwurf des Falschspiels machen, Es sei ihm
	        
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