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Band 6 Ein Bild aus der Berliner Lebewelt

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 6 Band 6 (Public Domain)

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hat auch Herrn Bellmer ausdrücklich versichert, ‚er wolle 
ihn nicht versetzen, aber er hatte doch von Anfang an die 
Absicht des baldigen Versatzes. Das ist eine Vorspiegelung 
lalscher Tatsachen. Er konnte auch nicht mit der Möglich- 
keit rechnen, daß er den Wagen werde einlösen können. Er 
hat den Wagen ja schließlich eingelöst, aber nur mit Hilfe 
des Amisgerichtsrats Grafen v. d. Schulenburg. Dieser hat 
dem Angeklagten das Geld mit einigem Zögern gegeben, 
weil er sich sagte, der ihm beireundete Angeklagte könnte 
in große Verlegenheit kommen. Es ist auch charakteristisch, 
daß der Angeklagte 6500 Mark borgt und nur einen Teil des 
Geldes dazu verwendet, um das Automobil auszulösen, den 
übrigen Teil aber behält. Das ist eine wenig schöne Hand- 
lung, die auch dadurch nicht aus der Welt geschafft wird, 
daß Graf Schulenburg bekundete, es wäre ihm auch recht 
gewesen, wenn der Afıgeklagte ein paar hundert Mark zu 
anderen Zwecken verwendet hätte. Dann kommt als dritter 
der Fall Risch. Hier hat der Angeklagte das Pferd im 
Februar 1910 gekaulit, also zu einer Zeit, als er sich schon in 
hoher Bedrängnis befand und als von ernsten Heiratsprojek- 
ten nicht mehr die Rede sein konnte. Nach der Überzeugung 
des Gerichts hat der Angeklagte das Pierd lediglich gekauft, 
um sich darauf Geld zu machen. Wenige Tage nach dem 
Kauf stellte er es schon zum Verkaulf, er hat sich überhaupt 
das Pferd wenig angesehen, und auf den Preis kam es ihm 
gar nicht an. Es handelte sich für ihn nur darum, Geld zu 
erhalten. Er hat dies nicht nur verschwiegen, sondern auch 
versprochen, den Wechsel am 1. Mai einzulösen, da er an- 
geblich um diese Zeit Gelder bekomme. Das war eine 
falsche Vorspiegelung, denn er hatte keinerlei Sicherheit, 
zu diesem Termine Frau Risch 2500 Mark zahlen zu können. 
In allen anderen Fällen hat der Gerichtshof zu einer Verur- 
teilung des Angeklagten nicht kommen können. Es handelt 
sich da zumeist um Geschäiltsleute, die dem Angeklagten be- 
reitwilligst Kredit gewährt haben, und er hat ja auch Ab- 
schlagszahlungen geleistet. Er hat in diesen Fällen auch 
direkte falsche Vorspiegelungen nicht gemacht. In anderen 
Fällen hat das Gericht deshalb nicht angenommen, daß er 
sich bewußt war, eine Vermögensschädigung zu begehen; 
das ist namentlich in allen den Fällen nicht anzunehmen, we
	        
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