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Band 6 Ein Bild aus der Berliner Lebewelt

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 6 Band 6 (Public Domain)

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wegen Wuchers anzuzeigen, weil ich 200 Mark Zinsen ge- 
nommen hatte. Das ist gar nicht meine Profession. (Heiter- 
keit.) — Angeklagter: Die Zeugin sagt hier die Unwahrheit. 
Ich habe ihr den Wechsel geschenkt, dies hat sie auch im 
Moulin rouge mehreren anderen Mädchen erzählt. — Zeugin: 
Tatsächlich ist mir von dem Rechtsanwalt Alfred Ballien 
gesagt worden, daß der Graf mich wegen Wuchers anzeigen 
wolle. — R.-A. Dr.. Jaffe: Hat die Zeugin nicht anderen 
Mädchen gesagt, sie habe das Geld von Metternich ge- 
schenkt bekommen? — Zeugin: Nein. Ich habe meines 
Wissens nur einer einzigen Dame etwas von dem Grafen 
Metternich gesagt. Ob ich da beiläufig das Wort „geschenkt“ 
gebraucht habe, weiß ich nicht. — R.-A. Dr. Jaffe: Haben 
Sie nicht damit geprahlt, welch horrendes Honorar Sie vom 
Grajen Metternich erhalten haben? Haben Sie nicht von 12 
blauen Lappen gesprochen? — Staatsanw.-Rat Porzelt: 
Haben Sie den Angeklagten manchmal gemahnt? — 
Zeugin: O gewiß, sehr oft! Es hat bei solchen Mahnungen 
nicht an entsprechenden Titulaturen von seiner und auch 
von meiner Seite gefehlt. Ich habe auch in Gegenwart 
dritter Personen gemahnt. — R.-A. Dr. Jaffe: Was waren 
das für Leute? — Zeugin: Teils‘ Heiratsvermiltler, teils Ge- 
schältsleute u. dgl. — R.-A. Dr. Jafje: Wieso wußten Sie 
denn, daß der Graf von Heiratsvermittlern begleitet war? — 
Zeugin: Ich habe sie so taxiert. (Heiterkeit.) Ich weiß es 
positiv, daß der Angeklagte mit Heiratsvermittlern gear- 
beitet hat. — R.-A. Dr. Jafje: Können Sie welche nennen? 
Das sind doch lauter Redensarten. — Zeugin: Wenn sie mir 
einfallen, werde ich sie nennen. — R.-A. Dr. Jafje: Es wäre 
gut, daß es Ihnen einfiele, denn Sie stehen unter dem Eide! 
— Zeugin: Was hat das für einen Zweck, Namen zu nennen. 
Ich habe doch an anderes und wichtigeres zu denken, als an 
den Grafen Metternich! — R.-A. Dr. Ja}fe: Wir wollen eben 
Ihre Glaubwürdigkeit prüfen. — Zeugin: Das kann ich 
allein! (Heiterkeit.) — Auf weitere Fragen und Vorhaltun- 
gen des R.-A. Dr. Alsberg antwortete die Zeugin: Sie sei 
zur Zeit des vorigen, Termins aus Rußland, wo sie ein En- 
gagement gehabt, nach Berlin gekommen und habe nur 
wenige Tage sich in Berlin aufgehalten. Der Angeklagte
	        
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