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Band 6 Ein Bild aus der Berliner Lebewelt

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 6 Band 6 (Public Domain)

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Angeklagte sich in keiner Weise unsichtbar gemacht, son- 
dern in vollem Ernst darauf hingearbeilet habe, seine 
Schulden zu bezahlen. Bei dieser Gelegenheit beklagte sich 
der Angeklagte über seine Verhaltung und behauptete 
wiederholt, es sei von der Staatsanwaltschalt bei seinem 
Onkel, dem Botschafter des Deutschen Reiches in London 
wegen seiner etwaigen Verhaltung angelragt worden. — 
Hierauf wurde die Ehefrau des Angeklagten, Frau Gräfin 
Claire v, WolH-Metternich, geborene Vallentin, eine kleine, 
aber sehr hübsche und schneidige junge Dame, als Zeugin 
aufgerufen. Sie war sehr schick gekleidet. — Vors.: Sie sind 
die jetzige Grälin WolHi-Metternich. Sie wissen, daß Sie 
die reine Wahrheit zu sagen haben, wenn Sie nicht von 
Ihrem Recht der Zeugnisverweigerung Gebrauch machen 
sollten. -- Zeugin: Ich werde die reine Wahrheit sagen. Ich 
bitte aber um einen Stuhl, da ich mich nicht ganz wohl 
fühle. — Ein Gerichtsdiener brachte der Zeugin einen 
Stuhl. — Vors.: Sie haben Ihren Gatten in Scheveningen 
kennengelernt? — Zeugin: Jawohl. — .Vors.: Wann haben 
Sie geheiratet? — Zeugin: Am 28. September 1910. — 
Vors.: Hat Ihnen Ihr Gatte vorher Aulklärungen über seine 
Vermögensverhältnisse gegeben? — Zeugin: Jawohl. Er 
hat mir lange vor der Hochzeit gesagl, daß er nicht nur 
nichts besitze, sondern daß er Schulden in beträchtlicher 
Höhe habe. — Vors.: Wie hoch hat er die Schulden ange- 
geben? — Zeugin: Auf etwa 20 000 Mark. Ich habe mich 
sofort bereit erklärt, sämtliche Schulden meines Mannes zu 
bezahlen. — Vors.: Sie sind dann nach Wien gegangen, 
wo Sie noch am Theater tätig waren. Was hat Ihr Gatte 
dort gemacht? — Zeugin: Sein eilrigstes Bestreben war, 
sich eine Stellung zu schaffen. Er fand auch bald eine 
solche, in der er 300 Kronen monatliches Gehalt erhielt. 
Da er sehr Heißig und tüchtig war, hatte er, wie mir gesagt 
wurde, die besten Aussichten, bald ein erheblich höheres 
Gehalt zu beziehen. — Vors.: Die 300 Kronen reichten doch 
selbstverständlich nicht aus? — Zeugin: Für ihn schon, da 
er sehr sparsam war und keine großen Ausgaben machte. 
Für alle übrigen Dinge kam ich selbstverständlich. selbst 
auf. — Vors.: Sind die Schulden von Ihnen bezahlt worden?
	        
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