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Band 6 Ein Dompropst vor Gericht

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 6 Band 6 (Public Domain)

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lerin Elise Schmidt: Katharina Zimmermann habe im Kreise 
verschiedener Schülerinnen den Vorgang beim Propst er- 
zählt. Sie habe gesagt: Was weiter passiert ist, sage ich aber 
nicht. — Schülerin Magdalene Gerst: Der Propst habe olt- 
mals Katharina Zimmermann aus der Schule gerufen. Er 
habe sie stets seinen Liebling genannt und gestreichelt. 
Katharina und auch andere Mädchen haben bisweilen un- 
anständige Lieder gesungen. Eins habe geheißen: „Mensch, 
gedenke.“ Eines Tages habe die Schülerin Rupp sie auige- 
fordert, zum Herrn Propst mitzukommen. — Vors.: Was 
solltest du beim Herrn Propst? — Zeugin: Ich sollte sagen, 
daß Katharina Zimmermann mit „Buben“ verkehrt und sich 
auf der Straße unanständig bückt, wenn Buben in der Nähe 
sind. — Vors.: Wußtest du etwas davon? — Zeugin (wei- 
nend): Nein. — Vors.: Da konntest du doch nichts sagen? 
— Zeugin: Ich glaubte, wenn’s der Herr Propst sagt, ist es 
wahr. — Oberstaatsanwalt: Du wolltest also etwas gegen 
deine Mitschülerin sagen, wovon du gar nichts wußtest? — 
Zeugin (weinend): Ja. — Vors.: Hast du denn einmal ge- 
sehen, daß Katharina Zimmermann sich mit Buben umher- 
getrieben hat? — Zeugin: Nein, ich habe nur gesehen, daß 
Buben der Katharina nachgelaufen sind. — Vors.: Hat sich 
Katharina dabei unanständig benommen? — Zeugin: Nein, 
sie hat sich aber manchmal umgedreht. — Vors.: Ist sie aber 
sonst schnell gelauten? — Zeugin: Jawohl. — Vors.: Es 
hatte also den Anschein, daß die Katharina bemüht war, so 
schnell als möglich von den Buben fortzukommen? — Zeu- 
gin: Jawohl. — Eine fernere Zeugin war die 16jährige Anna 
Schmidt, Schwester der Hedwig Schmidt: Meine Schwester 
hat mir den Vorgang beim Propst erzählt, Der Propst hat 
die Mädchen „Heuchlerinnen“ und „Säue“ genannt. Ich 
sagte: Ich bedauere den Herrn Propst, denn wenn die Sache 
an die Öffentlichkeit kommt, dann kann es ihm schlimm er- 
gehen. Da sagte meine Schwester: Wenn du alles wüßtest, 
dann würdest du den Propst nicht bedauern. — Ein Bei- 
sitzer: Hat Ihre Schwester irüher den Herrn Dompropst 
verehrt? — Zeugin: Jawohl, sogar sehr. — Beisitzer: Sie 
hat stets in ehrerbietiger Weise vom Herrn Propst ge- 
sprochen? — Zeugin: Ja. — Vors.: Sie hatte also vor dem
	        
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