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Band 6 Ein Dompropst vor Gericht

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 6 Band 6 (Public Domain)

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Vorgang bei dem Propst erzählt. Sie sei zu dem Propst 
vorgeladen worden. Die Katharina habe sie gebeten, sie 
solle nicht sagen, daß sie einmal auf der Straße einem 
Lehrer nachgepliffen habe, und daß sie eine Lügnerin sei. 
— Kalharina Zimmermann: Von Lügnerin habe ich nichts 
gesagt, ich habe die Bauer nur gebeten, sie solle nicht sagen, 
daß ich gepliffen habe. — Vors.: Hast du denn einmal ge- 
pliffen? -— Zeugin: Ja. — Vors.: In welcher Weise? — Ka- 
Iharina Zimmermann: Ich habe einmal hinter einem Lehrer 
geplifien. — Oberstaatsanwalt: Elise Bauer, weshalb soll 
Katharina Zimmermann eine Lügnerin sein? — Die Zeugin 
schwieg. — Oberstaatsanmvalt: Die Lehrer und die Eltern 
haben unter ihrem Eide erklärt, Katharina Zimmermann 
sei ein durchaus anständiges Mädchen, wie kommst du also 
darauf, zu sagen, Katharina sei eine Lügnerin? — Zeugin: 
Sie hat nicht immer die Wahrheit gesagt. — Oberstaalsan- 
alt: Bei welcher Gelegenheit hat sie gelogen? — Zeugin: 
Sie hat einmal in der Schule gesungen. Der Lehrer sagte: 
Weshalb hast du gesungen? Da sagte Katharina: Ich habe 
nicht gesungen. — Obersiaatsanwalt: Eine ‚solche Notlüge 
ist auch schon von anderen Leuten begangen worden, des- 
halb ist Katharina Zimmermann noch nicht eine Lügnerin 
zu nennen. — Schülerin Katharina Hofmeister schloß sich 
im wesentlichen den Bekundungen der Vorzeugin an. — 
Kaplan Grein: Er wohnte in Worms im Plarrhause. Am 
17. Januar habe er gerade Unterricht erteilt, da habe er aus 
dem Studierzimmer des Propstes heitiges Schreien und 
Schläge gehört. Er wußte, daß gegen einen Knaben und 
zwei Mädchen eine Untersuchung wegen Vornahme unan- 
ständiger Handlungen schwebe. Der Propst habe ihm er- 
zählt, es seien das sehr unerquickliche Dinge. Er habe an- 
genommen, .daß der von ihm wahrgenommene Vorgang 
eine Folge dieser Untersuchung sei. Er habe deshalb sofort 
lie Fenster geschlossen, denn es wäre ihm peinlich ge- 
wesen, wenn die von ihm unterrichteten Knaben von dem 
Vorgang etwas wahrgenommen hätten, — Oberstaatsanwalt: 
Kommen denn derartige Dinge öfters in dem Studier- 
zimmer des Herrn Propstes vor? — Zeuge: Ich weiß es 
nicht, ich bin erst seit Dezember 1904 in Worms. — Schü-
	        
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