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Band 4 Ein Landgerichtsrat auf der Anklagebank

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 4 Band 4 (Public Domain)

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Cloer: Weder er noch seine Frau haben den Angeklagten 
Blumenberg ersucht, ihnen Rat und Auskunft zu geben. 
— Frau Cloer bestätigte das mit dem Bemerken: Sie habe 
einmal dem Angeklagten von einer Gräfin Reichenbach 500 
Mark besorgt. — Vert. R.-A. Dr. Schreiber: Die Gräfin 
Reichenbach ist eine in Breslau stadtbekannte Geschäfts- 
dame; sie ist bürgerlicher Abkunft, hat aber einen Grafen 
Reichenbach zum Manne gehabt. — Erster Staatsanwalt: 
Sie haben doch den Landgerichtsrat Blumenberg mehrfach 
Geldgeschäfte halber besucht, haben Sie da nicht Herrn 
Blumenberg um Rat in Ihrem Prozesse gefragt? — Zeugin: 
Um Rat nicht, ich hatte ja meinen Rechtsanwalt. — Erster 
Staatsanwalt: Sie haben ihn aber um Auskunft gebeten? 
— Zeugin: Allerdings. — Beisitzer Landrichter Lindner: 
Sagten Sie sich nicht, es ist gut, daß ich mit dem Land- 
gerichtsrat Blumenberg in Geschäftsverbindung stehe, dar- 
aus können mir für den Ausfall des Prozesses Vorteile er- 
wachsen?. — Vors.: Sie haben das Recht, die Antwort 
auf diese Frage zu verweigern, da Sie sich der Bestechung 
beschuldigen könnten. — Zeugin: Ich habe keinen sol- 
chen Gedanken gehabt, da mir der Ausgang des Prozesses 
gleichgültig war. — Dem Angeklagten Blumenberg wurde 
vom Vorsitzenden ferner vorgehalten, daß er in einem 
Prozeß Goldstein wider Fiskus, der vor der zweiten Zivil- 
kammer des Beuthner Landgerichts geschwebt, sich des 
Amtsvergehens schuldig gemacht habe. — Angekl. Blu- 
menberg: Der Prozeß Goldstein wider Fiskus schwebte 
vor der zweiten Zivilkammer, ich hatte infolgedessen, da 
ich Vorsitzender der vierten Zivilkammer war, keinerlei Ein- 
fluß auf diesen Prozeß. Eines Tages erhielt ich von einer 
Frau Granzow einen Brief, in dem sie mich im Auftrage 
des Möbelhändlers Zernik, Schwiegersohns des Goldstein, 
bat, mich für den Prozeß zu interessieren, es solle mein 
Schade nicht sein. Ich habe zunächst nicht darauf geant- 
wortet, da ich nicht wußte, was ich eigentlich machen sollte. 
Rx
	        
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