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Band 4 Ein Landgerichtsrat auf der Anklagebank

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 4 Band 4 (Public Domain)

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Auf etwa 10000 Mark. — Vors.: Soll es nicht mehr ge- 
wesen sein, Sie hatten doch für einen Amtsrichter eine Bürg- 
schaft von 8000 Mark übernommen? — Angekl.: Diese 
Bürgschaft war allerdings nicht mit inbegriffen. — Vors.: 
Wie kamen Sie dazu, trotz Ihrer Schuldenlast noch Bürg- 
schaft für 8000 Mark zu leisten, war das nicht ein großer 
Leichtsinn? — Blumenberg: Ich kannte den Amtsrichter 
von meiner Gymnasialzeit her, ich hatte mit ihm zusammen 
studiert und konnte ihm daher seine Bitte nicht abschlagen. 
Vors.: Sie sollen auch im Jahre 1902 mehrere opulente 
Gastmähler gegeben haben? — Blumenberg: Das bestreite 
ich. Ich habe nur ein einziges Gastmahl gegeben, und zwar 
weil ich genötigt war, mich für langgenossene Gastfreund- 
schaft zu revanchieren. — Vors.: Ihr Hauptgläubiger war 
der Schneidermeister Pilz in Breslau? — Blumenberg: 
Jawohl, diesem schuldete ich etwa 2000 Mark, — Vors.: 
Sie haben außerdem bei dem Hofkürschnermeister Moritz 
Boden in Breslau sehr kostbare Damenpelzgarnituren für 
etwa 1400 Mark gekauft, für wen haben Sie diese gekauft? — 
— Blumenberg: Ich machte sie Frau Just, Frau Hepner 
usw. zum Weihnachtsgeschenk. — Vors.: Ein Mann in 
Ihren Verhältnissen macht solch kostspielige Weihnachtsge- 
schenke? — Blumenberg: Ich fragte die Damen, was 
sie sich zu Weihnachten wünschten, und da damals die 
Gläubiger nicht drängten, suchte ich die Wünsche der Damen 
zu befriedigen. — Vors.: Sie werden doch zugeben, daß 
es sträflich leichtsinnig ist, wenn ein Mann in Ihren Ver- 
hältnissen solch kostbare Geschenke macht? — Blu- 
menberg schwieg. Vorsitzender: Sie haben außerdem 
bei dem Schneidermeister Galle in Breslau in einem 
Jahre Anzüge im Werte von 800 Mark entliehen. — Angekl.: 
Das war für mehrere Jahre. — Vors.: Nein, das war für 
ein Jahr, Sie werden zugeben, daß das eine ganz horrende 
Summe ist, man kann doch im Höchstfalle 200 Mark für 
Kleidung in einem Jahre ausgeben. — Blumenberg: Ich
	        
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