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Band 4 Die Ermordung der achtjährigen Lucie Berlin

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 4 Band 4 (Public Domain)

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wollte. — Vors.: Nun Berger, ist das richtig? — Angekl.: 
Jawohl, es ist richtig, aber ein Geständnis wollte und konnte 
ich nicht ablegen, weil ich eben den Mord nicht begangen 
habe. — Vors.: Weshalb weinten Sie? — Angekl.: Herr 
Präsident, wenn man als vollständig unschuldiger Mensch 
des Mordes beschuldigt wird, da ist es doch kein Wunder 
wenn man schließlich weint. — 
Ein, Blick in die Berliner Zuhälterwelt. 
Darauf wird nochmals der Untersuchungsrichter, Land- 
richter Maßmann vernommen: Berger hat mit Ent- 
schiedenheit bestritten, daß er Zuhälter war, er gab aber 
schließlich zu, daß er sich 17 Jahre lang von der Liebe- 
truth habe ernähren lassen. Aus seinen Äußerungen ent- 
nahm ich, daß er während der 17 Jahre niemals gearbeitet 
hat; im Falle der Not hat er mit Taschentüchern gehandelt. 
Auf meine Frage, wie es gekommen sei, daß er bisweilen 
größere Summen besessen habe, sagte Berger: Die Zu- 
hälter haben all eine Passion, das ist das Spiel. Die Zuhälter 
fröhnen fast ausnahmslos dem gewerbsmäßigen Glücksspiel. 
Dadurch kommt es, daß Zuhälter bisweilen größere Summen 
besitzen, die sie von ihren Dirnen nicht erhalten können. 
Durch das Spiel kommen die Zuhälter vielfach mit Ver- 
brechern in Berührung. Als ich dies protokollieren wollte, 
bat mich Berger, anstatt „Verbrecher‘‘ zu schreiben: „be- 
strafte Personen‘‘, Auf meine Frage, was ein Zuhälter macht, 
wenn er von der Dirne hinausgeschmissen wird, antwortete 
Berger: das kommt äußerst selten vor. In diesem Falle findet 
aber ein Zuhälter, wenn er einigermaßen manierlich aussieht, 
sofort eine andere Dirne, Berger sagte mir ferner: Die 
Dirnen in Berlin haben fast sämtlich das Bestreben, einen 
Mann zu haben, den sie mit Haut und Haaren besitzen wollen, 
Diejenigen Zuhälter, die neben ihrer Zuhälterei arbeiten 
wollen, werden von den Dirnen verlacht und verhöhnt. Solche 
Kerls können die Dirnen nicht gebrauchen. Deshalb reden die
	        
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