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Band 4 Die Ermordung der achtjährigen Lucie Berlin

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 4 Band 4 (Public Domain)

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Ihre Vernehmung werden aussetzen müssen. — Klein: Ich 
bin so aufgeregt, daß mir bald der Schädel platzt. Ich 
kann mir det von dem Luden von de Liebetruth nicht ge- 
fallen lassen. Meine Frau hält mir die Zeitung vor, worin 
steht: ick bin ein Nuttenjäger. Und nu will ick noch wat 
sagen. Eine Person, eine geborene Täuber, hat in einer 
Kneipe hierdrüben erzählt: Die Liebetruth hat einem Kind 
gesagt, was sie hier aussagen soll. — Vors.: Ich kann 
Ihnen mitteilen, daß auf die Vernehmung aller Kinder ver- 
zichtet worden ist. — Klein: Det können Se machen, wie 
Sie wollen, aber sone Person darf doch keen Kind nich 
beeinflussen. — Der Vorsitzende bemerkte dem Klein, daß 
er für heute entlassen sei. Der Zeuge verließ in großer Er- 
regung den Saal. — Ein weiterer Zeuge war Handlungs- 
lehrling Vogelmann. Am 9. Juni mittags habe er vor 
dem Hause Ackerstr. 130 einen Mann mit einem kleinen 
Mädchen stehen sehen, es sei gegen 1 Uhr mittags gewesen. 
Er glaube aber nicht, daß es der Angeklagte war. — Fräu- 
lein Mannigel, Frau Dubinski und Frau Wantke wollen 
am 9, Juni ähnliche Wahrnehmungen gemacht haben. Alle 
diese Zeuginnen vermögen aber nicht zu bekunden, wer 
der Mann oder das Mädchen gewesen sei. — Droschken- 
kutscher Krüger: Am 9. Juni mittags habe er mit seiner 
Droschke am Gartenplatz gehalten. Da habe er einen Mann 
mit einem kleinen Mädchen gehen sehen. — Vors.: Kön- 
nen Sie sagen, wer dieser Mann war? Zeuge (nach einigem 
Besinnen): Ich erkenne in diesem Mann mit aller Bestimmt- 
heit den Angeklagten wieder. (Bewegung im Zuhörerraum.) 
Vors.: Wissen Sie, wer das Mädchen war? — Zeuge: 
Nein. — Vors.: Kannten Sie die ermordete Lucie? — 
Zeuge: Nein. — Staatsanwalt Dr. Lindow: Ich muß be- 
merken, daß der Zeuge bei der Polizei mit ebensolcher 
Bestimmtheit Lenz als den betreffenden Mann bezeichnet 
hat. Ich ersuche, den Herrn Kriminalkommissar Wanowski 
zu vernehmen. — Kriminalkommissar Wanowski: Als ich
	        
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