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Band 4 Prozeß Leckert-Lützow

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 4 Band 4 (Public Domain)

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trächtigkeit gewesen. — Winkler: Einmal habe er, weil 
er furchtbaren Hunger hatte, Kartoffeln, die zum Schweine- 
futter bestimmt waren, essen wollen. Der Zögling, der das 
Futter zu besorgen hatte, habe das gemeldet — in Mieltschin 
mußte jede Ungehörigkeit angezeigt werden —, und wieder 
habe es Prügel gegeben. Diesmal habe es sogar so weh 
getan, daß er annehme, es müsse noch etwas in der Peitsche 
drin gewesen sein. Wegen Lügens habe er einmal 100 
Hiebe bekommen. Wendland habe geschlagen und habe 
schließlich einen Weichselstock genommen, weil „die Peitsche 
wohl keinen Zug mehr hatte‘. Von Engels habe er, weil 
er beim Kartoffelschälen sich gesetzt hatte, 10 Hiebe über die 
Fußsohlen bekommen, Sich zu setzen, sei ihm verboten 
gewesen, auch sprechen habe er nicht dürfen, sonst seien 
ihm Prügel zudiktiert worden. Er habe gegen 888 Hiebe in 
Mieltschin erhalten. — Vors.: Sie haben früher 660 Hiebe 
angegeben. — Winkler: Manche der erlittenen Züchtigungen 
sind mir erst nachträglich eingefallen. — Auch über großen 
Gewichtsverlust klagte Winkler, Mit 150 Pfund sei er nach 
Mieltschin gegangen, schon nach 4 Wochen habe er nur 
noch 127 Pfund gewogen. Als er nach dieser Feststellung 
zu Engels gesagt habe: „Dann habe ich also 23 Pfund ab- 
genommen!‘ habe letzterer geantwortet: „Das ist besser 
als eine Entfettungskur.‘“ — Vors.: Es ist schon möglich, 
daß langdauernde Ernährung nur mit Wasser und Brot zu 
einer Gewichtsabnahme führt. — Aus den Akten wurde 
festgestellt, daß W. im Juli 1909 tatsächlich 127 Pfund ge- 
wogen habe. — Breithaupt behauptete: Bei dem ganzen 
Wesen Winklers sei es nötig gewesen, ihn in dem ver- 
schlossenen Keller zu verwahren und ihm auch noch eine 
Kette anzulegen. Tatsächlich sei auch so noch die Ent- 
weichung eines Zöglings möglich geworden. — Staatsanwalt 
Dr. Reiner erklärte: Nach dem Ergebnis der Beweisauf- 
nahme sei wohl nur Arrest und nicht Freiheitsberaubung 
anzunehmen. Der Vorsitzende ließ, um sich durch den Au-
	        
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