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Band 4 Die Ermordung der achtjährigen Lucie Berlin

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 4 Band 4 (Public Domain)

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Welt haben wollte. Er habeıdas Paket sofort herausgefischt. 
In diesem befand sich der Rumpf eines kleinen Mädchens. 
Kopf, Arme und Beine fehlten. Das Paket müsse, der gan- 
zen Sachlage nach, zwischen der Marschallsbrücke und dem 
Reichstagsufer in die Spree geworfen worden sein. — Schutz- 
mann Püschel schilderte, wie ihm Teske den Rumpf über- 
geben habe. Er habe den Rumpf sogleich nach dem Leichen- 
schauhause bringen lassen und ihn dort dem Kriminal- 
inspektor übergeben. — Unter großer Spannung machte ein 
Fräulein Römer folgende Bekundung: Am Morgen des 
11, Juni, gegen 51/, Uhr, der Tag begann gerade zu dämmern, 
sei sie das Reichstagsufer entlang nach dem Kriminalgericht 
zu gegangen. Da sah sie einen Mann, der ein großes, breites 
Paket in braunem Packpapier eingewickelt, trug. Das Paket 
war verschnürt; es hatte den Anschein, als ob in dem Paket 
ein großer weicher Gegenstand, etwa eine Steppdecke, ent- 
halten war. Der Mann war stehen geblieben und habe 
ins Wasser hineingesehen. In seiner Begleitung war ein 
kleiner, schwarzer, reich behaarter Hund; sie habe den Hund 
für einen Pudel gehalten. Der Hund habe sich auf der 
Erde gewälzt. — Vors.: Haben Sie sich den Mann ange- 
sehen? — Zeugin: Das Gesicht. konnte ich nicht genau 
sehen, da der Mann nach dem Wasser zu sah. — Vors.: 
Wie war der Mann gekleidet? — Zeugin: Er trug einen 
weißen Strohhut. — Vors,: Der Angeklagte ist Ihnen schon 
einmal vorgestellt worden, Sie haben ihn nicht wieder- 
erkannt? — Zeugin: Der Mann war von der Größe des 
Angeklagten, ich kann aber nicht sagen, ob es der Angeklagte 
war. — Der Vorsitzende befahl darauf, den Hund des An- 
geklagten in den Saal zu führen. Es war dies ein kleiner, 
langhaariger, schwarzer Pudel. Die Zeugin bemerkte: Es 
sei möglich, daß dies der Hund gewesen sei, den sie in 
Begleitung des Mannes gesehen habe, mit Bestimmtheit könne 
sie den Hund nicht wiedererkennen. — Auf Befragen des 
Verteidigers gab die Zeugin zu, daß sie vor vielen Jahren
	        
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