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Band 4 Prozeß Leckert-Lützow

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 4 Band 4 (Public Domain)

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lung des angeblichen Gewährsmannes auch in Widersprüche 
verwickelt; vor der Polizei habe er gesagt, es sei ein höherer Be- 
amter im Auswärtigen Amt und dies habe er bei seiner ersten 
Vernehmung vor dem Richter wiederholt. Die heutige Be- 
hauptung des Angeklagten, daß das polizeiliche Protokoll 
eine irrtümliche Fassung habe, verdiene deshalb keinen 
Glauben, denn er habe ja Gelegenheit gehabt, den Irrtum 
bei seiner Vernehmung vor dem Richter zu berichtigen. 
Angekl. Leckert: Ich meine auch, es getan zu haben. 
Vors.: Nein, Sie haben es erst später getan. — An- 
gekl.: Ich habe nur sagen wollen, daß ich zum Auswär- 
tigen Amt in Beziehungen stehe. — Vors.: Ja, und dann 
haben Sie gesagt, daß Ihr Gewährsmann Beamter bei einer 
Berliner Behörde sei. — Angekl.: Ja, so ist es auch. — 
Vors.: Angeklagter, ich will Ihnen mal etwas sagen. Man 
kann den preußischen Reichs- und Staatsbeamten im all- 
gemeinen wohl nachrühmen, daß sie ihren Beruf mit Pflicht- 
treue und in gewissenhafter Weise erfüllen; bis jetzt sind 
derartige Vertrauensbrüche wie Sie sie Ihrem Gewährsmann 
in die Schuhe schieben wollen, nicht vorgekommen. Wie 
sollte es wohl denkbar sein, daß ein Beamter einem so 
jungen Menschen gegenüber, der vor drei Jahren noch Schü- 
ler war, so wichtige Enthüllungen machen sollte? Ver- 
kennen Sie Ihre Lage nicht, es handelt sich um ein schweres 
Vergehen und Sie werden die Folgen zu tragen haben. 
Es ist fraglich, ob man Ihnen die Geschichte von dem 
Ehrenwort und dem Gewährsmann glauben wird, es scheint, 
als wollten Sie die Geschichte nur als Deckmantel für Ihre 
Handlungsweise ‘benutzen. Wollen Sie uns die Behörde 
nennen, bei der Ihr Gewährsmann angestellt sein soll? — 
Angeklagter: Bedauere, nein. Auf weiteres Befragen sagte 
Leckert: Dem zweiten Artikel in der „Welt am Montag“ 
stehe er ganz fern. Er wisse nur, daß dieser Artikel auf 
Grund zweier Manuskripte zustande gekommen sei, die 
er dem Angeklagten v. Lützow übergeben habe. Auf fer-
	        
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