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Band 4 Ein Landgerichtsrat auf der Anklagebank

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 4 Band 4 (Public Domain)

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unternommen habe. Seit 1901 bin ich nicht mehr gereist, 
Ich habe allerdings meine Ferien zumeist in Breslau ver- 
lebt, habe aber dort sehr ‚wenig Geld ausgegeben. Frau 
Leschziner hat nicht 600 Mark verloren, ich habe ihr 300 
Mark abgezahlt. Wäre ich nicht vom Amte suspendiert und 
bald darauf verhaftet worden, dann hätte ich Frau Lesch- 
ziner und noch eine Reihe anderer Gläubiger befriedigt. Und 
ich gebe hier in feierlichster Weise die Erklärung ab: so- 
bald ich wieder in die Lage kommen sollte, werde ich in 
erster Reihe meine Restschuld an Frau Leschziner abtragen. 
Es ist mir ferner zum ‚Vorwurf gemacht worden, daß ich 
sehr häufig nach Breslau gefahren sei. Ich versichere, daß 
alle diese Reisen aus geschäftlichen Gründen geboten waren. 
Wenn meine Freunde scherzhaft zu mir sagten: Du fährst 
wohl einer Dame wegen so häufig nach Breslau, so habe 
ich dies zugegeben, da ich doch unmöglich den wahren 
Grund meiner Reisen angeben konnte. Es ist gesagt worden: 
ich habe bei meinen Heiratsbewerbungen :viele Bedingungen 
gestellt. Ich bemerke darauf, daß bei der erwähnten Ber- 
liner Dame die 18 jährige Tochter nicht für mich bestimmend 
war, von der Verehelichung Abstand zu nehmen. Ich be- 
kenne, ich habe mehrfach die Unwahrheit gesagt. Ich bitte 
Sie aber, mir zu glauben, daß ich nur in meiner Notlage zu 
Unwahrheiten meine Zuflucht genommen habe. Ich bitte 
Sie flehentlich, mir deshalb nicht ‘alle Glaubwürdigkeit zu 
versagen und nicht anzunehmen, daß ich noch weiter die 
Unwahrheit sage. So wahr ein Gott im Himmel ist, so 
wahr sage ich jetzt, wo ich an dieser Stelle stehe, die Wahr- 
heit. Ich bemerke nun, daß ich der Frau Klehr wohl Aus- 
kunft erteilt, aber daran nicht die Bitte geknüpft habe, mir 
einen Vorteil zuzuwenden, es fehlt also dabei der ursäch- 
liche Zusammenhang. — Vors.: Wie kam es, daß Sie 
die Auskunft an Frau Klehr und nicht an Wagner gegeben 
haben? — Blumenberg: Weil Wagner fast niemals zu 
Hause war. Was den Fall Zernik anlangt, so versichere
	        
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