Path:
Band 4 Ein Landgerichtsrat auf der Anklagebank

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 4 Band 4 (Public Domain)

109 
Möbel auf Leihvertrag, mit der Wahrung des Eigen- 
tumsrechts entnommen und diese Sachen einer Frau 
Scholz übergeben habe. — Angeklagter Blumenberg: 
Ich schuldete der Frau Scholz etwa 1600 Mark. Frau Scholz 
war lange Zeit eine sehr nachsichtige Gläubigerin. Plötzlich 
verlangte sie aber in sehr energischer Weise eine ansehn- 
liche Abschlagszahlung, da sie umziehen müsse. Da ich 
kein bares Geld hatte, machte mir Angekl. Hepner den Vor- 
schlag: von Großpietsch ein Pianino und von Schröder 
Möbel zu entnehmen und diese der Frau Scholz zu über- 
geben. Ich hatte nicht die Absicht, jemanden zu schädigen, 
ich konnte mich aber nur behaupten, wenn ich mich dar- 
auf beschränkte, die am meisten drängenden Gläubiger zu 
befriedigen. Großpietsch und Schröder drängten eben nicht. 
— Vert. Justizrat Dr. Schreiber: Ich hatte gestern Ge- 
legenheit, mich um die Zivilprozesse der Frau Scholz zu 
erkundigen. Ich habe erfahren, daß Frau Scholz den in 
dieser Sache bei dem Breslauer Oberlandesgericht schwe- 
benden Zivilprozeß voraussichtlich gewinnen wird; sie wäre 
also danach nicht geschädigt. Ich beantrage daher, diesen 
Anklagepunkt zu vertagen. — Vors.: Herr Justizrat, wenn 
auch Frau Scholz nicht geschädigt ist, so dürften doch 
Großpietsch und Schröder geschädigt sein. — Angekl. Hep- 
ner: Ich hatte es veranlaßt, daß Frau Scholz Herrn Rat 
Blumenberg Geld lich, ich fühlte daher die moralische Ver- 
pflichtung, auch dafür zu sorgen, daß Frau Scholz ihr Geld 
zurückerhalte. Ich habe daher Herrn Rat Blumenberg den 
Vorschlag gemacht, von Großpietsch ein Pianino und von 
Schröder Möbel zu entnehmen und diese der Frau Scholz 
an Zahlungsstatt zu geben. Ich habe dabei nicht einen Pfen- 
nig verdient. Bei Schröder wurden im übrigen 120 Mark 
und bei Großpietsch 75 Mark angezahlt. Ich konnte nicht 
annehmen, daß diese Firmen einen Verlust erleiden würden. 
— Frau Scholz bekundete: Sie sei der Ansicht gewesen, 
daß Pianino und Möbel ihr als Eigentum übergeben seien.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.