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Band 4 Ein Landgerichtsrat auf der Anklagebank

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 4 Band 4 (Public Domain)

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er werde sich direkt an die Fabrik wenden. — Wenige 
Tage darauf erhielt Abraham von Blumenberg den Auf- 
trag, Uhr und Ringe zu versetzen. Abraham fuhr nach Gilei- 
witz. Dort gelang es ihm, einen der Ringe für 60 Mark zu 
versetzen. Zwecks Verpfändung des zweiten wertvolleren 
Ringes reiste Abraham nach Breslau. Hier wanderte er, 
wie er angab, von Leihhaus zu Leihhaus, da ihm überall 
eine zu geringe Summe geboten wurde. Endlich gelang es 
ihm, für den teuren Ring 100 Mark zu bekommen. Für diese 
seine Bemühungen berechnete sich Abraham, einschließ- 
lich Spesen, 40 Mark. Die Uhr wurde von der Wirtschaf- 
terin des Angekl. Hepner für 60 Mark ebenfalls in Breslau 
verpfändet. Später wurden auch die Pfandscheine verkauft. 
Richter gelang es schließlich, die Pfandscheine zurückzu- 
kaufen und die verpfändeten Sachen einzulösen, so daß 
er nur einen Verlust von 550 Mark hatte. — Vors.: Abra- 
ham, bestreiten Sie auch in diesem Falle Ihre Schuld? — 
Angeklagter Abraham: Ich versichere wiederholt, daß ich 
Herrn Landgerichtsrat Blumenberg für einen Herrn gehalten 
habe, der bestrebt war, unter allen Umständen seinen Ver- 
pflichtungen nachzukommen. — Vors.: Daher auch die 
70000 Mark Schulden. (Heiterkeit.) — Rendant des Ge- 
meindeleihamts zu Zabrze, Poppe, bekundete: Seit Juli 1904 
wurden von dem Angeklagten Abraham für Blumenberg 
eine Reihe Taschenuhren, Standuhren, Brillantringe, Ölge- 
mälde usw. verpfändet. Mehrere Male sei Landgerichtsrat 
Blumenberg selbst auf dem Leihamt gewesen. Im ganzen 
seien für 2170 Mark Wertgegenstände verpfändet worden. 
— Auf Befragen des Beisitzenden, Landrichters Lindner, be- 
merkte der Zeuge: Einige verpfändete Gegenstände seien 
von fremden Leuten eingelöst worden. — Beisitzender: 
Es besteht danach die Möglichkeit, daß die Pfandscheine 
verkauft waren? — Zeuge: Jawohl. — Der Vorsitzende hielt 
alsdann dem Angeklagten Blumenberg vor, daß er von Groß- 
pietsch in Breslau ein Pianino und von Schröder in Breslau
	        
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