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Band 3 Die Ermordung des Grafen Komarowski vor dem Schwurgericht zu Venedig

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

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gewandte Operationsmethode; Cavezzani ließ die Naht auf- 
trennen, damit die giftigen Stoffe leichter aus der erwei- 
terten Wunde austreten konnten. Bei dem vorhandenen 
Brechreiz sei die Auspumpung des Magens nötig gewesen, 
und es habe durchaus nicht gegen die Regeln der Heil- 
kunde verstoßen, daß diese Operation bei offenem Bauch 
vorgenommen wurde. Der anatomische Befund habe keinen 
Anhalt für die Annahme ergeben, daß Komarowski an einem 
bei der Operation erlittenen Nervenschlag gestorben sei. 
Man solle die Unvollkommenheiten der Chirurgie nicht dem 
Chirurgen zur Last legen. Nur an der von Naumow ihm 
beigebrachten Wunde sei Komarowski gestorben. — Prof. 
Dr. Borri schloß sich diesem Gutachten im wesentlichen 
an. Er ist zwar der Meinung, es wäre besser gewesen, 
die Bauchnaht vor der Auspumpung nicht aufzutrennen. Doch 
wäre es ein Irrtum, anzunehmen, diese Unkorrektheit in 
der Operationsmethode habe den Tod Komarowskis herbei- 
geführt. Prof. Dr. Giordano, Primärarzt am Hospital von 
Venedig: Bauchwunden verlaufen meistens tödlich, wenn 
man operiert, dagegen beweisen die Erfahrungen des rus- 
sisch-japanischen Krieges, wie leicht man den Verwundeten 
durch einfache Unbeweglichkeit heilt. Im Transvaalkriege 
erhielt man vernichtende Ergebnisse, als man bei Unter- 
leibswunden die Laparotomie anwandte, Professor Cavez- 
zani war an dem Tage, wo er die Operation vornahm, nicht 
bei Sinnen. Es sei nicht von .so großer Bedeutung, daß 
bei der Operation nach der Versicherung eines Kranken- 
wärters Cavezzanis Hand zitterte. Nicht die unsichere Hand, 
sondern der unsichere Kopf eines Chirurgen führen zu Un- 
heil. Nicht eine von selbst entstandene Peritonitis führte 
Komarowski zum Tode, sondern die angewandte Prozedur: 
das gewaltsame Einfüllen der Gedärme mit vielleicht nicht 
allzu reinen Händen habe die Peritonitis erzeugt. Nicht 
an einem Nervenschlag sei Komarowski gestorben, sondern 
schlimmer: die chirurgische Behandlung war mehr als die
	        
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