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Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

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ich in der Hauptverhandlung das dem Menschenmaß Erreich- 
bare geleistet habe, um eine schonende Behandlung der Sache 
und der Person zu ermöglichen und dadurch Eurer Exzellenz 
Schmerzliches zu ersparen. Durch Ihr Verhalten haben Sie mir 
die Fortsetzung dieser Taktik unmöglich gemacht und mich 
zugleich von der Verantwortung für alles Weitere entbürdet. 
Ich bin an das Vereinbarte nicht mehr gebunden und habe 
heute an die Königliche Staatsanwaltschaft geschrieben: 
„Der Königlichen Staatsanwaltschaft beehre ich mich 
mitzuteilen, daß ich nach den gestrigen Aussagen des 
Grafen Kuno von Moltke von den beiden am zweiundzwan- 
zigsten März der Königlichen Staatsanwaltschaft eingereich- 
ten Erklärungen meinen Namen zurückziehe und mich von 
den darin ausgesprochenen Wünschen lossage. Ich ersuche 
den Herrn Ersten Staatsanwalt, diese Mitteilung unver- 
züglich dem einstweilen zuständigen Gericht, der Vierten 
Strafkammer am Königlichen Landgericht I Berlin, zugäng- 
lich zu machen.‘ 
In vorzüglicher Hochachtung 
Harden. 
Harden legte gegen seine Verurteilung Revision ein. Die 
Verhandlung vor dem zweiten Strafsenat des Reichsgerichts 
sollte am 5. Juli 1909 stattfinden. Am 12. Juni 1909 erhielt 
Harden folgenden Brief: 
„Seiner Hochwohlgeboren Herrn Maximilian Harden. 
Eurer Hochwohlgeboren 
theile ich, in Beantwortung Ihres Briefes vom ein- 
undzwanzigsten April, folgendes mit: 
Sämtliche von meinem Anwalt, Herrn Justizrat Dr. 
Sello, vor Gericht abgegebenen Erklärungen entsprechen 
meinen Intentionen und dem von mir unterzeichneten Ver- 
gleich. Auch ich habe in meiner Vernehmung zum Ausdruck 
bringen wollen, daß in den streitigen Artikeln der ‚Zukunft‘ 
der bewußte Vorwurf nicht gemacht worden ist. Wenn 
meine in der Erregung vor Gericht gemachte Aussage die 
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