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Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

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politischen Gründen in ihrer Stellung nicht Vertrauen er- 
weckend waren. Wenn der Stärkere von ihnen seine Hand 
aus dem Spiele ließe, wäre mir das andere gleichgültig, denn 
ich habe gegen den Grafen Moltke nie etwas gesagt; wir 
haben im Gegenteil eine ganze Reihe gemeinschaftftlicher 
Freunde und Freundinnen — v. Berger, v. Keßler, Lilli Leh- 
mann, Graf Voß u. a. Ich habe niemals öffentlich ein Wort 
gesagt, was die Ehre des Grafen Moltke affizieren könnte. 
Graf Moltke muß doch selbst lange Zeit dieses Gefühl ge- 
habt haben, denn es dauerte sehr lange, ehe er den Kloster- 
propst Otto v. Moltke zu mir schickte. Dieser kam nicht 
als Kartellträger, sondern er behielt sich die Möglichkeit 
vor, als Kartellträger demnächst einzugreifen. — Über die 
Unterhaltung, die ich mit dem Herrn Klosterpropst gehabt 
habe, ist nicht ein Wort fixiert worden. Der Herr Kloster- 
propst trat dann aber plötzlich mit einem Schriftstück hervor, 
welches er Protokoll nennt. Ich will ihm keineswegs die 
bona fides absprechen, ich kann doch aber wohl behaupten, 
daß ihn sein Erinnerungsvermögen im Stich gelassen hat. 
Wenn jemand, der zu mir in mein Haus kommt, in diesem 
meinem Hause solche Sätze gesprochen hätte, wie sie jenes 
Protokoll enthält, so wäre doch gewiß ohne weiteres das 
Gespräch mit diesem Besucher sofort beendet gewesen. Jeder 
weiß, wie schwer es ist, ein Gespräch, welches man in seinem 
eigenen Hause mit einem plötzlich eintretenden Besucher 
hat, in seinen feinsten Nuancen nach langer Zeit widerzu- 
geben, so daß man es beschwören kann. Ich glaube nicht, daß 
das, was der Klosterpropst Otto v. Moltke ein Protokoll nennt, 
irgendeine Grundlage für diese Verhandlung bieten kann. 
Wenn Herr Klosterpropst v. Moltke ein Protokoll hätte fest- 
stellen wollen, so hätte er mir sagen müssen: „Wir wollen 
jetzt den Inhalt unseres Gespräches fixieren‘; jetzt ist dies 
Protokoll doch zu einseitig, um gegen mich verwertet werden 
zu können. — In meinen Artikeln war eine Silhouette des 
Grafen v. Moltke entworfen, die nicht zu gefallen brauchte,
	        
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