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Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

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Der Oberstaatsanwalt verweist auf das Ausland und auf 
den Jubel, den die zur Sprache gebrachten Dinge dort ver- 
ursacht haben. Dabei ist auch mein Verhalten ein wenig 
gerügt worden. Nun, ich kann in der Form fehlen — das 
hat doch aber gar nichts mit der Sache zu tun, wenn die 
Verteidigung zu wenig höflich ist. Ist denn Harden an den 
Zuständen schuld, die in jener Verhandlung enthüllt wurden ? 
Nein! Ein Schriftsteller kann seinem Vaterlande keinen grö- 
Beren Dienst leisten, als wenn er auf Mißstände aufmerksam 
macht, die im Vaterlande herrschen. Ist es denn beklagens- 
wert, daß die Adlervilla geschlossen ist und diejenigen ent- 
fernt sind, die der Kriegsminister mit Recht „Buben“ nannte ? 
Düngerhaufen muß man entfernen, nicht zudecken! Die 
Krankheit ist das Übel, nicht der Arzt! Der deutsche Schrift- 
steller muß das Recht haben, auf Übelstände hinzuweisen, 
ohne sich eine Anklage zuzuziehen. Man sagt: die erste 
Verhandlung hat Schmutz in die Familien getragen. Einige 
Zeitungen kämpften in Leitartikeln gegen den Schmutz, und 
auf der zweiten Seite stand der ausführliche Verhandlungs- 
bericht. Wer trägt denn den Schmutz in die Familie? Die 
Zeitungen haben allerdings nur ihrer publizistischen Pflicht 
genügen müssen, und da soll Harden auf der Anklagebank 
nicht das Recht haben, solche Dinge zur Sprache zu brin- 
gen? Harden hat von Anfang an gesagt, homosexuelle 
Dinge habe er vom Grafen Moltke nicht behauptet. Er 
war aber durch den Gang der Verhandlung gezwungen, 
schließlich etwaige Beweise dafür heranzuziehen. Ich mei- 
nerseits hätte eine Pflichtvergessenheit begangen, wenn ich 
mich von etwas anderem hätte leiten lassen, als von dem 
Interesse meines Klienten. Ich habe nichts getan, was ich 
nicht tun zu müssen glaubte, und mehr kann vor Gott und 
den irdischen Richtern niemand von mir verlangen. Was 
der Oberstaatsanv-alt über die juristische Seite des neuen 
Verfahrens vorgebracht hat, ist mir nicht einleuchtend. Auch 
alle deutschen Rechtslehrer mit Ausnahme des Herrn v. Li-
	        
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