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Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

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während der Zeit, wo die Gräfin mit mir und meiner Frau 
verkehrte, die Gräfin ziemlich genau kennen gelernt zu 
haben. Unsere Gespräche waren nicht nur rein konventio- 
nelle, sondern wurden allmählich sehr vertraulich insofern, 
als sie sowohl ärztliche Fragen als auch die ehelichen Zer- 
würfnisse betrafen. Meine Unterredungen auf ärztlichem Ge- 
biete waren nicht von langer Dauer, da ich es im allgemeinen 
abgelehnt habe, Frau v. Elbe ärztlich zu behandeln. Von 
einer Trionalvergiftung bei Frau v. Elbe habe ich nichts be- 
merkt. Hysterie hielt ich für ausgeschlossen. Ihre Darstel- 
lung war ruhig, klar, kalt und gelassen und für eine in einen 
so schwierigen Prozeß verwickelte Frau sogar ungewöhnlich 
verständig und sicher abgegeben. Es ist mir nicht bekannt, 
daß sie sich selbst mitunter zu Boden geworfen, sich mit 
dem Körper gegen Möbel gewälzt und mit dem Kopf gegen 
die Wand gestoßen habe. Sie hat einmal betreffs des Ver- 
hältnisses des Grafen Moltke zum Fürsten Eulenburg in 
meiner Gegenwart ungefähr geäußert: „Der Graf hat den 
Fürsten mehr lieb als mich.‘ Im übrigen sind mir Gerüchte 
über angebliche perverse geschlechtliche Neigungen im Kreise 
des Fürsten Eulenburg schon zu Lebzeiten des Fürsten Bis- 
marck zu Ohren gekommen. Der Name des Grafen Moltke 
ist bei diesen Gerüchten nicht erwähnt worden. Tatsachen 
in dieser Richtung weiß ich nicht. Ich persönlich hatte den 
Eindruck, daß Graf Moltke ein süßlicher, weibischer Mann 
war, ein Eindruck, der meines Wissens in Schlesien und in 
der Bekanntschaft meiner Frau geteilt wurde. Ich kann mich 
erinnern, daß die Gräfin in meiner Gegenwart von den angeb- 
lichen Äußerungen ihres Gatten: „Frauen sind Klosetts““, 
„er wolle sie als Märchen haben“, erzählt hat. Auch Kose- 
namen ihres Gatten gegenüber dem Fürsten Eulenburg hat 
sie mir genannt. Die angebliche Taschentuchaffäre habe ich, 
wie ich glaube, erst aus den Zeitungen erfahren. Den Wunsch, 
Harden kennen zu lernen, hat die Gräfin uns, d. h. meiner 
Frau und mir, gegenüber geäußert. Sie sagte dabei, meiner
	        
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