Path:
Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

2358 
tikeln bezweckt habe, ich bitte, es mir zu glauben, und 
wenn ich mich geirrt haben sollte, so muß ich die Konse- 
quenzen tragen. — Vors.: Der Zweck der Artikel war doch, 
die Herren zu beseitigen. — Angekl.: Die Artikel haben 
einen ganz anderen Hintergrund. Von etwa 120 Seiten han- 
delt kaum eine halbe Seite vom Grafen Moltke. Fürst Eu- 
lenburg sollte bekämpft werden und seine Freunde, Graf 
Moltke ist nicht bekämpft worden, es mag sein, daß er hier 
und da ein wenig sich geärgert haben mag. — Vors.: 
Haben Sie sich nicht gesagt, daß die Artikel auch for- 
mell beleidigend sind, da sie den Grafen Moltke verhöhnen, 
von dem „Süßen“ sprechen usw. — Angekl.: Das habe 
ich mir durchaus nicht gesagt. Auch heute nicht. Satire 
ist doch noch erlaubt, und wenn ein Witzblatt ein Bild 
bringen würde mit der Unterschrift „Der Süße“, so würde 
es deshalb gewiß nicht angeklagt werden. Hohn und Spott 
sind doch erlaubte Waffen im politischen Kampf, Spott ist 
doch nicht gleich eine ehrverletzende Beleidigung. Ich habe 
nur das Grüppchen politisch bekämpft und nur hin und 
wieder ein Wort eingefügt, was auf Sexualempfindungen 
hindeutet. — Vors.: Falls mın aber das Gericht dazu kommt, 
den Vorwurf der Perversität in den Artikeln zu finden — 
wollen Sie dann den Wahrheitsbeweis antreten? — An- 
gekl.: Nein, ich habe ganz und gar nicht die Absicht, 
etwas zu beweisen oder zu enthüllen. Ich stehe hier als 
ein Mensch, der bestimmte Artikel geschrieben hat, in wel- 
chen nichts davon steht, was die Anklage behauptet. Ich 
glaube, dem Lande einen Dienst zu erweisen, wenn ich 
nicht darauf zurückkomme. Dem Gerichtshofe liegen meine 
Artikel vor, er hat gehört, wie ich sie erkläre, und er möge 
sein Urteil sprechen. Ich habe auch das erstemal nicht den 
Wunsch gehabt, Beweise beizubringen. Der Gang der Dinge 
hat mir aber damals die Beweisführung aufgezwungen; wir 
haben alle darunter gelitten, Graf Moltke und auch ich. Ich 
habe das bestimmte Gefühl, daß ich den Grafen nicht be-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.