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Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

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Moltke antwortete: „Na, es sind so dieselben Dinge!‘ Da 
sagte ich mir, dann ist ja alles erledigt, und der Prozeß ist 
aus. Wenn ich sehe, wie seit Monaten ein deutscher Schrift- 
steller, der nur seine politische Pflicht getan hat, verfolgt 
wird mit wissentlichen Unwahrheiten, so habe ich Mühe, mich 
zu halten, man lüge doch nicht ganz Deutschland an!! Außer- 
dem ist mein Herr Gegner leider von seinem Mandanten falsch 
informiert. ‚Von ihm rührt jene in den Zeitungen publizierte 
Erklärung her, in der es heißt: Die maßgebenden Instanzen 
haben sich von der Grundlosigkeit der erhobenen Verdächti- 
gungen überzeugt. Der Herr v. Hülsen hat nun das Gegen- 
teil gesagt, und da hat Herr Graf Moltke eine derartige öffen- 
liche Erklärung vom Stapel gelassen. Wollen Sie mir nun die 
Frage beantworten: Wer kämpft hier mit unreinen Waffen — 
ich muß das Wort sagen, ich kann nicht anders —, wer ist 
hier derjenige, der lügt? Fürst Eulenburg hat in der Presse 
verbreitet, daß der Friedensstifter, Herr v. Berger, ohne Auf- 
trag von ihm oder vom Grafen Moltke gewirkt habe. Fürst 
Eulenburg Durchlaucht erzählt dem deutschen Volk damit 
eine faustdicke Lüge. Warum lügen die beiden Herren das 
deutsche Volk so an, weil die Wahrheit das Bekenntnis ihrer 
Schuld wäre? Die Herren werden doch dem Gericht nicht 
vorreden wollen, sie hätten beim Erscheinen unbegründeter 
Verleumdungen erst einen Vermittler zu Harden geschickt, um 
ihn zur Einstellung seiner Angriffe zu bewegen. Das dürfen 
Sie keinem deutschen Gericht vorreden, das glaubt höch- 
stens ein Dienstmann, wenn er dafür bezahlt wird. (Heiter- 
keit.) Nun zur Erklärung des Privatklägers über die Gründe 
seiner Entlassung. Graf Moltke behauptet, ein deutscher 
Mann und Soldat müsse sein Amt niederlegen, wenn er an- 
gegriffen worden ist, um sich dann ‚erst zu verteidigen. Wenn 
jemand verleumdet ist und ein gutes Gewissen hat, dann 
braucht er sein Amt nicht ohne weiteres niederzulegen. Ist 
der deutsche Reichskanzler kein deutscher Mann, kein deut- 
Scher Edelmann, steht er nicht an einer Stelle, wo jeder
	        
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