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Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

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nichten, gegen den er während des Ehescheidungsprozesses 
interessiert war. Die Tafelrunde ist verschwunden, nichts 
ist davon übrig geblieben im politischen Sinne. Ich will 
noch kurz auch die Frage der Verjährung streifen. Eine 
Verjährung liegt nicht vor, sondern eine fortgesetzte Hand- 
lung. Die Artikel bilden gewissermaßen eine Rebusaufgabe, 
deren Lösung zuletzt gefunden wird. Herr Harden hat meinen 
Mandanten verhöhnt und lächerlich gemacht durch Anwen- 
dung von Worten wie „der Süße‘, „Grüppchen‘“ usw. Ich 
hoffe, daß Sie sich nicht so isolieren von der allgemeinen 
Auffassung und nicht annehmen, daß es sich nur um eine 
psychische Veranlagung handelt. Eine psychische Analyse 
des Privatklägers hat nichts mit der Frage zu tun, ob 8 175 
vorliegt. Herr Dr. Hirschfeld ist als Sachverständiger über 
die Analyse gehört worden. Dr. Hirschfeld vertritt doch eine 
mehr oder minder neue Theorie. Dr. Hirschfeld hat im 
übrigen ein sehr sorgfältiges Gutachten abgegeben, aber was 
hat er für Unterlagen? Überall nur die Erklärung der Frau 
v. Elbe. Ich möchte sehen, wenn Sie aus dem intimsten Ehe- 
leben alle Ausdrücke an das Licht bringen, die einmal in 
der Erregung und in der Wut gesprochen werden, ob dann 
nicht manchem harte Ausdrücke nachgesagt werden können. 
Ich habe den Beweis angetreten, welche hohe sittliche und 
ungewöhnlich religiöse Auffassung mein Mandant von allen 
Dingen und von der Ehe "hat. Danach ist es unmöglich, daß 
er solche Worte gesagt hat, wie Frau v. Elbe von ihm be- 
hauptet hat. Wenn ein Junggeselle von 50 Jahren eine tempe- 
ramentvolle Dame von 26 Jahren heiratet, da mögen ja 
mancherlei Dissonanzen vorkommen. Wir haben für das Gut- 
achten des Dr. Hirschfeld keine objektiven Unterlagen. Die 
kleine Geschichte von dem Taschentuch halte ich für voll- 
ständig harmlos, für einen Scherz! Frau v. Elbe mag es ja 
schwer gefallen sein, hier über die intimsten Dinge ihres 
Ehelebens auszusagen, aber es ist doch auch eigentümlich, 
daß sie die ganzen Ehescheidungsakten einem Publizisten
	        
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