Path:
Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

220 
Graf Moltke sich ebensolche Dinge zuschulden komme lasse, 
wie Herr Lecomte, von dem er ja selbst hervorgehoben hat, 
daß seine Neigungen allgemein bekannt waren. Er hat dem 
Privatkläger direkt den Vorwurf gemacht, daß er nicht ge- 
wußt haben will, was die Spatzen von den Dächern pfeifen. 
Alle Welt, alle Zeitungen haben es so verstanden und Herr 
Harden hat es so laut in die Welt hinausgeschickt, daß 
die maßgebenden Stellen sich veranlaßt sahen, einzugreifen. 
Der Vorwurf der aktuellen Homosexualität ist gegen meinen 
Mandanten erhoben, daraus ergibt sich der Tatbestand des 
8 186 von selbst. Aber auch alles andere in den Artikeln ent- 
spricht nicht der Wahrheit, Herr Harden spricht fortgesetzt 
von „Gruppe“ und „Grüppchen‘“. Was hat die Beweis- 
aufnahme ergeben? Gewiß! Seine Majestät der Kaiser 
hat den Fürsten Eulenburg und Graf Kuno von Moltke 
seiner Freundschaft gewürdigt. Aber wie kommt Herr 
Lecomte hier hinein? Um das Bindeglied herzustellen, 
sagte Herr Harden: „Die Freunde meiner Freunde sind 
auch meine Freunde“, Das ist sehr geistreich aber nicht 
sehr zutreffend. Es wird meinem Mandanten vorgeworfen, 
daß er die Einladung des Herrn Lecomte zu einer Jagd in 
Liebenberg nicht verhindert habe. Herrn Lecomtes Cha- 
raktereigenschaften sind doch ausschließlich Sache der fran- 
zösischen Botschaft. So lange Herr Lecomte in der fran- 
zösischen Botschaft ist, kann man doch gewiß mit ihm ver- 
kehren. Die französische Botschaft wird wissen, ob sie einen 
Mann, der angeblich nicht würdig ist, in seiner Stelle be- 
lassen will. Bezüglich des Grafen Hohenau ist keineswegs 
erwiesen, daß mein Mandant etwas gewußt hat. Was in 
aller Welt haben denn nun eigentlich diese Dinge mit der 
Politik zu tun? Wenn jemand auf dem Standpunkte steht, daß 
derjenige, der etwas feminin veranlagt ist, absolut nicht für 
politische Geschäfte paßt, daß dies ein Unglück ist, so Jäßt 
sich eine solche Haltung verstehen. Aber Herr Harden steht 
ja, wie wir auch von Dr. Hirschfeld hörten, nicht auf diesem
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.