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Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

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wegen dieser Anschuldigung meinen Dienst aufgeben müs- 
sen, meine 42jährige Karriere, die ich lieb gehabt habe, 
beendigt, meinen Rock, den ich in Ehren getragen, ausge- 
zogen. Ich war Kommandeur der Leibkürassiere in Bres- 
lau und kann wohl kaum in solcher Stellung das süßliche 
Wesen gezeigt haben, wie es kaum einem Leutnant zuzu- 
muten ist. Da ich durch den Angeklagten um mein Amt 
und meine Ehre gekommen bin, so hoffe ich, daß der Ge- 
richtshof dies bei der Abmessung der Strafe berücksichtigen 
wird. — Vors.: Sind Sie also lediglich wegen dieser Ar- 
Hkel aus dem Dienst geschieden? — Graf Moltke: Ja. 
— Vors.: Sind Sie denn nicht von zuständiger Stelle irgend- 
wie befragt worden, ob es wahr ist, was in den Artikeln 
stand? — Graf Moltke: Ich habe darauf nein gesagt. — 
Justizrat Dr. v. Gordon: Ich beantrage, den Herrn von 
Hülsen-Haeseler zu vernehmen; er wird bezeugen, daß dem 
Privatkläger anderenfalls doch nicht die Uniform belassen 
worden wäre, Ich beantrage ferner, Herrn Staatssekretär von 
Bethmann-Hollweg und den Polizeipräsidenten v. Borries 
darüber zu vernehmen, daß die in der Zeitschrift des „Wissen- 
schaftlich-humanitären Komitees“ gegebene Darstellung der 
Vorgänge nicht richtig ist. — Weiter: Wenn Fürst Bismarck 
geglaubt hätte, der Privatkläger sei ein Päderast, so hätte er 
doch das tun müssen, was unterlassen zu haben der Ange- 
klagte dem Privatkläger vorwirft: nämlich vor den Kaiser zu 
treten und ihm Vortrag zu halten. — Was schließlich die 
beabsichtigte Intrige in den Spalten des „Gaulois‘“ betrifft, 
so haben wir dies nicht behauptet, sondern es ist von einem 
Königlich preußischen Landgericht in einem Urteil festge- 
stellt. — Graf Moltke: Ich erkläre nochmals, daß ich von 
den Neigungen des Grafen Hohenau nichts gewußt habe und 
berufe mich in dieser Beziehung auf meinen Neffen Herrn 
v. d. Marwitz, Übrigens ist es eine völlige Verkennung der 
Verhältnisse, wenn angenommen wird, es wäre meine Auf- 
gabe gewesen, als Denunziant aufzutreten. Als Kommandant
	        
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