Path:
Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

301 
„unpolitisch‘““ hingestellte Graf Kuno v. Moltke es nicht ge- 
wußt haben sollte. (Mit lauter Stimme und auf den Tisch 
schlagend): Ich habe es gewußt, ich wohne im Grune- 
wald und bin Schriftsteller und ich weiß es seit Jahren! 
Es würde ein merkwürdiges Maß Naivetät verraten, wenn 
der Privatkläger es nicht gewußt haben sollte. Wenn An- 
reden gewechselt werden, wie „Mein Geliebter! Meine 
Seele! Ich halte mich verpflichtet, meinen Freunden zu leben! 
Ich kann auch nach meiner Veranlagung nur meinen Freun- 
den leben‘, derartige Sachen legen doch mindestens den 
Verdacht nahe, daß seine Freundschaft „erotisch betont‘ war. 
(Mit zornbebender Stimme): Es schreiens ja doch die Spatzen 
von den Dächern!! Drängen Sie mich noch weiter, dann 
würde ich Ihnen Mitglieder von Herrscherhäusern vorfüh- 
ren, die da sagen: Ist es denn möglich, daß das überhaupt 
noch bestritten wird! (Auf den Privatkläger weisend und 
laut ausrufend): Dieser Mann hat sich ja doch den Rock 
nur zu erhalten gewußt durch eine Unwahrheit!! — Der 
Vorsitzende ersuchte den Angeklagten, sich zu mäßigen. — 
Justizrat Bernstein: In einer und derselben Stunde sind 
die drei in den Artikeln genannten Männer ihrer Stellung 
verlustig gegangen! Hat Graf Kuno Moltke wirklich den 
Mut zu leugnen, daß der Verlust der Stellung seitens der 
drei Herren in unlösbarem Zusammenhang mit ihren sexu- 
ellen Neigungen stand? Ich berufe mich eventuell in dieser 
Beziehung auf den Chef des Militärkabinetts von Hülsen- 
Haeseler. — Vors.: Herr Privatkläger wollen Sie sich ein- 
mal darüber äußern? — Graf Moltke: Es ist im allge- 
meinen nicht Sitte, daß man über militärische Intimitäten 
spricht. Ich äußere mich darüber nur so weit als es zu- 
lässig ist. Ich habe meinen Abschied eingereicht unter der 
Motivierung, daß ich unter einem Verdacht stehe, dessen 
Beseitigung zunächst nicht sofort möglich war, der es aber 
nicht angängig erscheinen ließ, daß ich unter der Wucht 
solcher Verleumdungen in meiner Stellung bleibe. Ich habe
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.