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Band 3 Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z. D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der "Zukunft" Maximilian Harden

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

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kläger und der Graf Hohenau, den der Kläger duzt, mit dem 
er verwandt ist, der mit ihm lange Jahre als Flügeladjutant 
die gleiche Stellung einnahm, können doch nicht sagen, sie 
hätten miteinander nichts zu tun. Wo gibt’s denn noch eine 
Gemeinschaft, wenn das keine ist. Mein Verteidiger hat aus- 
drücklich gesagt, weshalb der Zeuge Bollhardt vernommen 
werden sollte, Nebenbei behauptet der Zeuge noch das und 
das vom Fürsten Eulenburg und hat 'das mir gegenüber immer 
behauptet. Ich habe davon aber keinen Gebrauch gemacht. 
Wenn Fürst Eulenburg hier ist, werden wir ihm sagen, 
was wir ihm beweisen. Wir bitten, er soll nun endlich kom- 
men und für den vierzigjährigen geliebten Freund, der ihn 
seine „Seele“, seinen „Geliebten‘“ nennt, Zeugnis ablegen. 
— Justizrat Dr. v. Gordon: Herr Harden hat zum Schluß 
hier gegen den Privatkläger und den Fürsten Eulenburg 
einen Ton angeschlagen, auf den ich nicht eingehen möchte. 
Ich bitte einfach, den Fürsten Eulenburg als Zeugen für die 
von mir benannten Tatsachen zu vernehmen. Es ist Sache 
des Gerichts, zu entscheiden, in welcher Form dies geschehen 
soll. Weil ich weiß, daß er nicht kommen kann, habe ich der 
Einfachheit wegen die kommissarische Vernehmung ange- 
regt. Wir haben von vornherein den dringenden Wunsch ge- 
habt, daß er hier erscheint; auch der Fürst war der Ansicht. 
Schießlich sagte aber der Arzt, er setze sich einer dringenden 
Gefahr aus, wenn er als Zeuge erscheine. Mehr kann man 
nicht tun, um die Sache abzukürzen, als wenn wir die kommis- 
sarische Vernehmung des Fürsten beantragen. — Es wurde 
hierauf das von Sanitätsrat Dr. Gennerich ausgestellte ärzt- 
liche Attest von dem Vorsitzenden verlesen. Aus diesem ging 
hervor, daß Fürst Philipp zu Eulenburg seit vielen Jahren 
an Gicht und schwerer Neuritis leidet. Da außerdem seit 
April d. J. eine Nervenentzündung an Beinen und Armen 
hinzugekommen ist, so besteht die Gefahr, daß eine größere 
Aufregung schwere Folgen, ja selbst den Tod herbeiführen 
könnte, Das Leiden des Fürsten ist so erheblich, daß er
	        
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