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Band 3 Die Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter in Konitz

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 3 Band 3 (Public Domain)

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sicher, Sie werden das Nichtschuldig aussprechen, Sie werden 
meinen Klienten freisprechen. — Staatsanwalt Dr. Schwei- 
ger: Die Herren Verteidiger haben mich mißverstanden. 
Ich habe nicht gesagt, ich habe wegen Mordes gegen den 
Angeklagten nicht den geringsten Beweis, sondern ich habe 
gesagt: Zurzeit habe ich nicht ein genügendes Belastungs- 
material, um gegen den Angeklagten wegen Mordes die An- 
klage zu erheben. Die Verteidigung hat auf Verhetzungen 
gegen die jüdische Bevölkerung hingewiesen. Ich erwidere, 
daß von Zeitungen, die im jüdischen Sinne redigiert werden, 
ebenso gegen die christliche Bevölkerung gehetzt wird. Ich 
erinnere nur an die Verhetzungen gegen die Familie Hoff- 
mann, gegen einen hochachtbaren Beamten und gegen einen 
hiesigen Lehrer. Der Erste Staatsanwalt ging hierauf noch- 
mals auf die Beweisaufnahme ein und schloß: Der Ver- 
teidiger sagte: „Kann man vom Angeklagten mehr Gewissen- 
haftigkeit verlangen, als er bewiesen hat?“ Gewiß, ich ver- 
lange mehr. Ich verlange, daß er die Wahrheit sagt, und 
wenn er dies tun wollte, dann mußte er sagen: „Ich habe 
Winter gekannt.“ Ich habe die Überzeugung, Sie werden 
den Angeklagten schuldig sprechen; denn Recht muß doch 
Recht bleiben. — Verteidiger Rechtsanwalt Appelbaum: 
Da der Herr Erste Staatsanwalt den Vorwurf erhoben hat, 
daß von jüdischer Seite auch gegen die christliche Bevölke- 
rung gehetzt worden sei, beantrage ich, den Brief zu verlesen, 
den ich hier dem Gericht überreiche, und dazu den Jour- 
nalisten Zimmer zu vernehmen. — Vors.: Der Herr Erste 
Staatsanwalt hat nur von jüdischen Zeitungen gesprochen. — 
Verteidiger Rechtsanwalt Appelbaum: Das ist aber nicht 
Gegenstand der Verhandlungen gewesen. Ich wundere mich, 
daß der Herr Vorsitzende das zugelassen hat. — Vors.: Ich 
muß diesen Vorwurf zurückweisen. Es ist Gegenstand der 
Hauptverhandlung gewesen. — Verteidiger Rechtsanwalt Ap- 
pelbaum: Mit Rücksicht auf den Korrespondenten verzichte 
ich auf die Vorlesung des Briefes. Nachdem aber der Erste
	        
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