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Band 2 Der Prozeß gegen den Bankier August Sternberg wegen Sittlichkeitsverbrechens

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 2 Band 2 (Public Domain)

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erklärte die Zeugin Ehlert, daß sie im August 1884 geboren 
sei und im vorigen Jahre zum ersten Male mit Herrn Stern- 
berg etwas zu tun gehabt habe. — Frida Woyda wurde noch- 
mals vorgerufen und gefragt, was denn nun an ihrer Aussage 
wahr sei. Sie antwortete recht energisch: Was ich jetzt hier 
ausgesagt habe, ist die Wahrheit. — Vors.: Hat dir neuer- 
dings jemand gedroht, daß du in die Zwangserziehung oder 
ins Waisenhaus kommen würdest? — Zeugin: Nein. 
In weiteren Sitzungen wurde mitgeteilt, daß die Masseuse 
Margarete Fischer, die nach New York geflüchtet sei, bereit 
sei, sofort vor Gericht als Zeugin zu erscheinen unter folgen- 
den Bedingungen: 1, freies Geleit; 2. Zahlung einer Summe 
von 5000 M.; 3. freie Fahrt II. Klasse und freie Verpflegung 
für sich und ihre Begleiterin Helene Fischer. Der Staats- 
anwalt bemerkte, daß er bereit sei, soweit dies innerhalb der 
gesetzlichen Grenzen gehe, die Hand dazu zu bieten, daß die 
Fischer hier in Berlin an Gerichtsstelle erscheine. Es werde 
sich fragen, ob es der preußische Staat, unter dessen Steck- 
brief die Margarete Fischer stehe, erfüllen kann. Ganz uner- 
füllbar erscheine ihm die Zahlung von 5000 M. Es bestehe 
keine gesetzliche Möglichkeit, eine derartige Summe zu zah- 
len, denn in Frage könne bloß die Anwendung der Gebühren- 
ordnung für Zeugen und Sachverständige kommen und wenn 
auch bei weiten Reisen in dieser Beziehung großes Entgegen- 
kommen gezeigt werden könne, so sei doch die Zahlung einer 
derartigen festen Summe völlig ausgeschlossen. Dagegen sei 
es angängig, freie Her- und Rückfahrt II. Kajüte zu gewähren. 
Was die Forderung des freien Geleits anlange, so sei folgen- 
des zu erwägen: Die öffentliche Klage gegen Margarete 
Fischer sei seines Wissens noch nicht erhoben, es sei nur 
gegen sie im Vorverfahren vom Amtsgericht I ein Haftbefehl 
erlassen worden. Nach seiner Meinung würde diese Straf- 
kammer befugt sein, der Margarete Fischer freies Geleit zu 
gewähren, Die Staatsanwaltschaft würde eventuell in der 
Lage sein, ihrerseits den amtsrichterlichen Haftbefehl aufzu-
	        
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