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Band 2 Der Prozeß gegen den Bankier August Sternberg wegen Sittlichkeitsverbrechens

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 2 Band 2 (Public Domain)

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struiert worden, zu erst heute hier Nein zu sagen, dann durch 
den Hinweis auf den Eid sich bewegen zu lassen, zu weinen 
und zögernd mit der angeblichen Wahrheit herauszukommen. 
Auf Sie, meine Herren Richter, kann es natürlich nicht den 
Eindruck machen, wie auf mich, weil Sie nicht in meine Seele 
blicken können, der ich ganz genau weiß, daß die Aussage 
von A—Z nicht wahr ist. — Vors.: Angeklagte Wender, Sie 
haben doch nun gehört, wie es dem Staatsanwalt gelungen ist, 
nach und nach die Zeugin Ehlert zur Wahrheit zu bringen, 
und wie diese mit einer gewissen elementaren Gewalt durch- 
gedrungen ist. Was sagen Sie nun dazu? — Angekl. Wender: 
Ich bleibe dabei, daß ich das Mädchen nie bei der Fischer 
gesehen habe. — Staatsanwalt Braut: In der Darlegung des 
Angeklagten liegt doch eigentlich die schamlose Verdächti- 
gung, daß ich die Zeugin zu ihrer Aussage „abgerichtet‘“ habe, 
— Angekl. Sternberg: Ich habe ja allerdings verschiedentlich 
den Eindruck gehabt, daß der Herr Staatsanwalt wiederholt 
Fragen auf Grund neuer Informationen stellte, die er in der 
Zwischenzeit aus polizeilichen Kreisen erhalten haben muß. 
Aber ich erkenne durchaus an, daß der Herr Staatsanwalt 
ganz loyal vorgeht. Ich will zugestehen, daß, wenn ich Rich- 
ter wäre, ich mich auch durch die Aussage der Zeugen viel- 
leicht überzeugt halten würde, ich bitte aber nur, diese Sache 
etwas zu vertagen und das weitere Beweismaterial erst abzu- 
warten. — Staatsanwalt: Es bedarf keiner Erklärung des An- 
geklagten, ob ich loyal vorgehe oder nicht. — Die Zeugin 
Ehlert erzählte u. a. noch, daß sie ihrem Vater sofort mitge- 
teilt habe, was die fremden Herren alles von ihr gewollt haben, 
ihr Vater habe sich dies auch aufgeschrieben. Außerdem sei 
ihr auch gesagt worden, man wolle die Sache so drehen, als 
ob sie nicht recht bei Verstande sei. — Angekl, Sternberg 
stellte durch eine Anzahl von Fragen fest, daß der Vater der 
Zeugin Gelegenheitsschreiber sei. Kriminalschutzmann Stier- 
städter verneinte die Frage, ob Ehlerts Vater etwa für die Po- 
lizei Schreibereien verrichte. — Auf Befragen eines Beisitzers
	        
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