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Band 2 Der Prozeß gegen den Bankier August Sternberg wegen Sittlichkeitsverbrechens

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 2 Band 2 (Public Domain)

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tigen Verleumdungen, soweit deren Ermittelung gelingt, den 
Strafantrag gestellt. Das Verfahren ist bereits anhängig. Die 
Hydra der Verleumdung werden wir zertreten und wenn ihr 
tausend Köpfe nachwachsen. Ihr Gift mögen sie verspritzen, 
uns Richter und Beamte werden sie nicht treffen können! 
Vert. Rechtsanwalt Dr. Fuchs I dankte dem Oberstaats- 
anwalt, daß er diese Verleumdungen als Ausgeburt eines 
wahnsinnigen Hirns bezeichnet habe. Die Verteidiger seien 
selbstverständlich überzeugt, daß alles in dem Artikel von An- 
fang bis zu Ende erlogen ist, aber prozessual sei dies nicht 
genügend. Es sei nötig, volles Licht in die Sache zu bringen 
und letztere als grobe ehrlose Verleumdung festzunageln. 
Deshalb beantrage er, den Oberstaatsanwalt Wachler, sowie 
sämtliche sieben Mitglieder des Strafsenats des Reichsgerichts 
als Zeugen darüber zu laden, ob sie durch Anerbieten von 
Geld oder sonstige Versprechungen angegangen worden seien, 
auf den Prozeß Sternberg einzuwirken. 
Oberstaatsanwalt Dr. Isenbiel erklärte diese Beweiser- 
hebung für vollständig überflüssig. Oberstaatsanwalt Wach- 
ler stehe der ganzen Sternberg-Sache völlig fern. 
Vert. Rechtsanwalt Dr. Werthauer: Soweit der Artikel der 
Staatsbürger-Zeitung mich betrifft, ist er vollständig unrichtig. 
Was die Beziehungen des Fräulein Platho, des Herrn Luppa, 
des Herrn X. untereinander betrifft, so gehen sie mich nichts 
an und sind mir nicht bekannt. Bei mir ist X, nur einmal ge- 
wesen und abgewiesen worden. Ich schätze deutsche Richter 
und Beamte zu hoch, als daß der Gedanke, sie zu beeinflussen, 
je anders als absurd aufgefaßt werden kann. Staatsanwalt- 
schaftsrat Dr. Romen ist, wenn auch temperamentvoll, so doch 
persönlich stets so human in dem Prozeß verfahren, daß sein 
Bleiben erwünschter als sein Gehen der Verteidigung er- 
schien. — 
Eine Hauptzeugin war die dreizehnjährige FridaWoyda, 
ein hübsches, noch ganz unschuldsvoll aussehendes Mädchen. 
Sie wurde vom Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Müller auf
	        
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