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Band 2 Das Dynamit-Attentat gegen den Polizei-Oberst Krause

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 2 Band 2 (Public Domain)

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nisstrafe, zehn Jahre und einen Monat Zuchthaus, zehn 
Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht, gegen Westphal 
ein Jahr Gefängnis. — Vert, R.-A. Dr. Bieber beantragte: 
Da sich die Geschworenen offenbar zu Ungunsten des Ange- 
klagten Westphal geirrt haben, auf Grund des. 8 317 der Straf- 
prozeßordnung den Spruch aufzuheben und die Sache an ein 
anderes Schwurgericht zu verweisen. Nach Löwe könne dies 
bereits geschehen, sobald der Gerichtshof einstimmig der An- 
sicht sei, daß ein Non liquet vorliege. — Die Angeklagten 
Koschemann und Westphal versicherten nochmals, daß sie voll- 
ständig unschuldig seien und sie die Strafe nicht annehmen. 
— Während der Beratung des Gerichtshofes trat der Obmann 
der Geschworenen an den Berichterstattertisch und ersuchte 
die Berichterstatter, mit ihrem Urteil noch zurückzuhalten. Er 
werde alsdann begründen, wie die Geschworenen zu ihrem 
Wahrspruch gekommen seien. Die Berichterstatter bemerkten 
dem Herrn, daß eine Begründung des Geschworenenwahr- 
spruchs gesetzlich unzulässig sei. Der Obmann. verlangte 
auch nicht das Wort. — Der Gerichtshof verurteilte Kosche- 
mann zu zehn Jahren einem Monat Zuchthaus, unter Anrech- 
nung von drei Monaten auf die Untersuchungshaft und zu zehn 
Jahren Ehrverlust, Westphal zu einem Jahre Gefängnis, unter 
Anrechnung von vier Monaten auf die Untersuchungshaft und 
sprach Frau Westphal, Weber und Frau Gürtler frei, Der 
Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Rieck bemerkte in der Ur- 
teilsbegründung: Koschemann sei ganz besonders schwer 
zu bestrafen, da die menschliche Gesellschaft vor so schweren 
Verbrechen geschützt werden müsse. — 
Die von den Angeklagten eingelegte Revision wurde vom 
zweiten Strafsenat des Reichsgerichts verworfen. Kosche- 
mann hat im Sommer 1907, an Geist und Körper gebrochen, 
das Zuchthaus verlassen; er soll noch heute seine volle Un- 
schuld beteuern.
	        
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