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Band 2 Der Mord im Essener Stadtwalde

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 2 Band 2 (Public Domain)

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bis 6 Uhr abends gewesen. Sie glauben nicht, daß der An- 
geklagte einmal vor Bureauschluß fortgegangen sei. — Ober- 
kellner John: Er sei Oberkellner im Hotel Bürgerhaus in Dort- 
mund. Am 1. Januar 1907 logierte sich ein junger Mann im 
Hotel unter dem Namen v. Eicken ein. Er sagte: er sei Stu- 
dent der Medizin in Bonn. Er blieb bis 5. Januar und wer- 
duftete dann, ohne bezahlt zu haben. Am 2. Januar liebäugelte 
er vom Fenster aus mit einem jungen Mädchen, das in einem 
dem Hotel gegenüberliegenden Warenhause als Verkäuferin 
beschäftigt war. Er versuchte alsdann in das Warenhaus ein- 
zudringen, um dem jungen Mädchen den Hof zu machen; er 
wurde aber, als man seine Absicht erkannte, an die frische 
Luft gesetzt. (Große, allgemeine Heiterkeit.) — Vors.: Was 
wollte denn der Angeklagte in Dortmund machen? In Dort- 
mund studiert man doch nicht Medizin? — Zeuge: Das weiß 
ich nicht. — Vors.: Sehen Sie sich den Angeklagten einmal 
genau an, war das der Student v. Eicken? — Zeuge: Jawohl. 
— Vors.: Sind Sie Ihrer Sache ganz sicher? — Zeuge: Voll- 
ständig sicher. — Vors.: Nun, Angeklagter, geben Sie zu, vom 
1. bis 5. Januar in Dortmund gewesen zu sein? — Angekl.: 
Das ist alles unwahr, ich war im Januar 1907 nicht in Dort- 
mund. Die Sache mit der Verkäuferin ist vollständig unwahr. 
— Vors.: Das wäre schließlich gleichgültig, geben Sie zu, vom 
1. bis 5. Januar in Dortmund gewesen zu sein? — Angekl.: 
Nein. — Oberkellner John bekundete ferner auf Befragen des 
Vorsitzenden: Der Angeklagte habe auch eine Ansichtskarte 
an seine Braut in Essen geschrieben, die Karte habe er ihm 
gezeigt. — Der Vorsitzende hielt dem Angeklagten die Karte 
vor, letzterer bestritt, die Karte geschrieben zu haben. — 
Vors.: Herr John, wissen Sie, wo der Angeklagte von Dort- 
mund aus hinfuhr? — Zeuge: Er ist angeblich nach Koblenz 
gefahren, denn es kam an den Hotelier, Herrn Sondermann, 
von einem Agenten aus Koblenz eine Anfrage, ob das von 
Herrn Sondermann dem Kellner Land aus Breslau ausgestellte 
Zeugnis richtig sei. Herr Sondermann hatte aber niemals ein
	        
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