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Band 2 Die Ermordung der Medizinalrätin Molitor auf der Promenade in Baden-Baden (Der Hau-Prozeß)

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 2 Band 2 (Public Domain)

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ST 
Die Ermordung der Medizinalrätin Molitor auf der 
Promenade in Baden-Baden. 
(Der Hau-Prozeß.) 
Dem Fortschritt der Kultur ist es zu danken, daß Kapital- 
verbrechen sich allmählich vermindern. Das Leben eines 
Menschen gilt jetzt mehr als vor etwa hundert Jahren. Wenn 
auch die Verbrecherwelt nicht ausstirbt, so werden doch 
Morde nicht mehr so häufig begangen als zur Zeit unserer 
Großeltern und Urgroßeltern. Eine große Erregung bemäch- 
tigt sich der gesitteten Menschheit, wenn die Kunde von einem 
Morde, dem größten Verbrechen, das das Strafgesetzbuch 
kennt, ruchbar wird. Es war daher naturgemäß, daß, als am 
Abende des 6. November 1906 auf der Promenade in Baden- 
Baden die Medizinalrätin Molitor meuchlings erschossen 
wurde, das Verbrechen in der ganzen Kulturwelt das größte 
Aufsehen erregte, Die Erregung war um so größer, da der 
Verdacht der Täterschaft auf den Schwiegersohn der 62 Jahre 
alten Medizinalrätin, den Universitätsprofessor und amerika- 
nischen Rechtsanwalt Dr. jur. Karl Hau fiel. Die Medizinal- 
rätin Molitor hatte ein Vermögen von fast einer Million. Sie 
bewohnte mit ihrer damals noch unverheirateten Tochter Olga 
in dem idyllisch belegenen, feinen Badeort Baden-Baden eine 
prächtige Villa und gehörte zu den Honoratioren des Bade- 
ortes, in dem bekanntlich auch im Winter viele Kurgäste 
weilen, Viele reiche Familien wohnen ständig in Baden- 
Baden, es herrscht daher auch im Winter ein sehr geselliges 
Leben, Im Frühjahr 1901 weilte die Medizinalrätin Molitor 
mit ihren damals noch unverheirateten Töchtern Lina und 
Olga in Ajaccio (Insel Korsika). Dort gesellte sich zu den 
Friediänder, Kriminal-Prozesse, II
	        
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