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Band 1 Der Hannoversche Spieler- und Wucherprozeß (Olle ehrliche Seemann)

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 1 Band 1 (Public Domain)

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ins Hotel kamen und daß beim Spiel keine Störung eintrat. 
Den aufwartenden Kellnern nahm v. Meyerinck die bestellten 
Speisen und Getränke vor der Tür ab. Lichtner schrieb ein- 
mal an seine Konkubine aus Baden-Baden: „Ich habe so 
ziemlich ein großes Unternehmen durchgeführt, jedenfalls 
habe ich mich nicht umsonst geplagt.“ Dieser Brief bezog 
sich auf ein Spiel in Baden-Baden, bei welchem er am Tage 
vorher, in Gemeinschaft mit v. Meyerinck, einem Ritterguts- 
besitzer Landfried 60000 Mark abgenommen hatte. Um 
den Verlierer nicht mißtrauisch zu machen, verlor Lichtner 
zum Schein ebenfalls 60000 Mark. v. Zedlitz wußte Land- 
fried zu überreden, für 6000 Mark für ihn Bürgschaft zu 
leisten. v. Zedlitz versicherte dem Landfried: die Bürgschaft 
sei eine bloße Form, seine Mutter, die sehr begütert sei, werde 
die 6000 Mark sofort bezahlen. Landfried mußte jedoch die 
6000 Mark bezahlen, denn die Mutter des v. Zedlitz, einst- 
mals eine sehr begüterte Dame, hatte durch den Leichtsinn 
ihres Sohnes längst ihr ganzes Vermögen verloren. Stamer 
schrieb von Homburg an v. Zedlitz eine Postkarte: „Gestern 
großes Jeu mit Boditzka, nach allen Richtungen hin an- 
geschossen. Es wird höchste Zeit für den Blattschuß auf 
Friediaender.‘“ Mit Friedlaender wurde der KRitterguts- 
besitzer Landfried bezeichnet, dem bereits in Baden-Baden 
in einer Nacht 10000 Mark abgenommen worden waren und 
der in Homburg von neuem gerupft werden sollte. Zu 
den interessantesten Persönlichkeiten auf der Anklagebank 
gehörte der Rittmeister a. D. Freiherr v. Meyerinck. Dieser 
bekundete auf Befragen des Vorsitzenden, Landgerichts- 
direktors Heinroth: Er habe bei Bresa zwei Güter besessen. 
Das eine hatte einen Kaufpreis von 180000 Talern, das andere 
von 110000 Talern. Für eins hatte er 120000 Taler, für das 
andere 80000 Taler angezahlt. Im Jahre 1880 sei er ge- 
nötigt gewesen, beide Güter zu verkaufen. Er habe 855000 
Mark und 360000 Mark dafür erhalten. Er sei alsdann mit 
seiner Familie nach Koburg, 1885 nach Hannover gezogen. 
PFried!änder, Kriminal-Prozesse. [.
	        
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