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Band 1 Der Hannoversche Spieler- und Wucherprozeß (Olle ehrliche Seemann)

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 1 Band 1 (Public Domain)

Nummern erhielten andere Offiziere, die die Vorklassen auch 
noch einmal bezahlen mußten. Ein Offizier, der sich von 
Abter 2500 Mark lieh, mußte für 8500 Mark Verzichtlose 
nehmen, so daß der zu unterschreibende Wechsel auf 11000 
Mark lautete. Der Vater eines Offiziers, ein Rittergutsbesitzer, 
übergab diesem selben Abter 2000 Mark mit dem Auftrage, 
damit Schulden seines Sohnes zu bezahlen. Abter berechnete 
sich für seine „Bemühungen‘“ 300 Mark; die Schulden hat er 
nicht bezahlt, sondern das Geld für sich behalten. Max Rosen- 
berg, Heß, Fährle, Samuel Seemann, v. Meyerinck, Stamer, 
Abter, der bereits erwähnte Rentier Lichtner und ein Leut- 
nant a. D., Freiherr v, Zedlitz-Neukirch, besuchten alle größe- 
ren Badeorte und Rennplätze des In- und Auslandes und 
große deutsche Städte, in denen sie durch Falschspielen 
eine große Anzahl Offiziere, Rittergutsbesitzer, Studenten usw, 
in des Wortes vollster Bedeutung ausplünderten. Sie stell- 
ten ihre Kumpane unter falschem Namen als Großfabrikanten 
oder Großindustrielle, Barone oder Grafen vor, und flüster- 
ten den Offizieren ins Ohr, diese Herren hätten stets viel Geld 
bei sich, seien leidenschaftliche Spieler, hätten aber kein 
Glück im Spiel, es sei daher ein leichtes, diesen Leuten 50 
bis 80000 Mark abzunehmen. Wenn sich nun die heran- 
geschleppten Opfer zum Spiel verleiten ließen, dann wendete 
sich das Blättchen. Die „Großindustriellen‘“ waren „aus- 
nahmsweise‘“ stark vom Glück begünstigt, denn sie spielten 
mittelst doppelter Roulette, bzw. gezeichneter Karten, und 
wußten auch durch Winke aller Art das Glück stets an sich 
zu fesseln, so daß die Offiziere, Studenten usw. oftmals in 
einer Nacht viele tausend Mark verloren. Wenn nun die 
Gerupften nicht das genügende bare Geld bei sich hatten, 
mußten sie für den Restbetrag einen Wechsel geben. Wenn 
Samuel Seemann, der in Berlin wohnte, mit seiner Roulette 
aber die Weit durchzog, nach Hannover kam, da bestellte 
v. Meyerinck die geeigneten Zimmer im Hotel de Russie da- 
selbst; er sorgte außerdem dafür, daß zahlreiche Offiziere
	        
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