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Band 1 Prozeß wider das Grafen-Ehepaar Kwilecki wegen Kindesunterschiebung

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 1 Band 1 (Public Domain)

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daß behauptet werde, ich wollte den Knaben ermorden, Ich 
habe geantwortet: Jawohl, ich sehe wohl gerade wie ein 
Mörder aus! (Heiterkeit!) Später erhielt ich von dem Dr. 
Filimowski in Krakau, der dort Rechtsgeschäfte betreibt, 
einen Brief.des Inhalts, daß er die Angelegenheit des unter- 
geschobenen Kindes gut kenne. Dr. Filimowski ist inzwischen 
durch Dekret des Bezirksgerichts in Krakau zum Vormund 
des kleinen Jungen, der in Wahrheit Leo Franz Parcza heißt, 
bestellt worden. Dr. Filimowski hat mir in dem Briefe auch 
mitgeteilt, daß Professor Rosenblatt und ein Rechtsanwalt 
sich an diesen gewandt und gesagt hätten: er möchte doch 
die Familie nicht ins Unglück stürzen. Nachdem ihm 
Hechelski Bericht erstattet, sei er nach Krakau gefahren. Er 
habe dort der Cäcilie Meyer sechs bis acht Knaben-Photo- 
graphien vorgelegt und ihr gesagt: „Darunter befindet sich 
Ihr Sohn, suchen Sie diesen doch einmal heraus!“ Sie hat 
auf die Photographie des angeblichen „kleinen Grafen“ ge- 
deutet und gesagt: „Das ist er! Das ist mein Sohn, darauf 
will ich schwören!“ Nach sieben Jahren konnte sie ihn 
hatürlich nicht ohne weiteres erkennen, sie erkannte ihn aber 
an der Ähnlichkeit mit seinem älteren Bruder, der von dem- 
selben Vater stammt. Einige Zeit darauf meldete sich bei mir 
die Hedwig Andruszewska und teilte mir alles auf die Kin- 
desunterschiebung bezügliche mit. Ich dachte mir, daß ja 
Schließlich alles Quatsch sei, was so unter vier Augen gesagt 
werde, ich habe deshalb einen Fragebogen mit 25 Fragen 
aufgestellt, bin damit zum Distriktskommissar gegangen und 
habe dort die Antworten der Andruszewska von dieser unter- 
Schreiben lassen, wobei der Ortsgeistliche als Dolmetsch fun- 
gierte. Da die Leute bei uns den. größten Respekt vor 
dem Distriktskommissar und dem Ortsgeistlichen haben, ist 
bei dieser Gelegenheit alles durchaus ordnungsmäßig zuge- 
gangen. Für die Reise habe ich der Hedwig 20 Mark ge- 
geben. Natürlich habe ich auch gesagt, daß ich mich even- 
tuell' erkenntlich zeigen würde, falls durch die gerichtliche
	        
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