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Band 1 Die Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk in der Reitbahn der Dragonerkaserne zu Gumbinnen

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 1 Band 1 (Public Domain)

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die Tat begangen, dann sind Sie verpflichtet, die Ange- 
klagten zu verurteilen. Ich komme nun auf die rechtliche 
Seite der Frage und muß wiederholen, was ich in der vorigen 
Verhandlung vor dem Oberkriegsgericht gesagt habe. An- 
gesichts des Grundsatzes in dubio pro reo muß man die nie- 
dere Strafart wählen. Ich bin das vorige Mal von der Presse 
vollständig mißverstanden worden. Es ist mir vorgeworfen 
worden, daß ich über die Schuld der Angeklagten meine 
Zweifel hatte. Da ich aber eine Sühne des Verbrechens auf 
alle Fälle herbeiführen wollte, hätte ich den Antrag wegen 
Totschlages gestellt. 
Ich erkläre, daß ich weder damals noch jetzt den ge- 
ringsten Zweifel an .der Schuld. der Angeklagten habe. Ich 
habe trotz eifrigsten Nachdenkens meine Ansicht nicht um 
ein Atom geändert und bin auch heute noch der Überzeugung, 
daß hier nicht Mord, sondern Totschlag vorliegt. Ich bin der 
Überzeugung, Marten hat den Entschluß gefaßt, den Ritt- 
meister zu töten, als er den Stumbries traf. In diesem 
Augenblicke geriet er wieder in Wut, da ihn der Rittmeister 
am Sonnabend in der Reitbahn arg beleidigt hatte. Der Ver- 
treter der Anklage berief sich auf Liszt, Berner und andere 
Rechtslehrer, die auch der Ansicht seien, daß, wenn jemand 
Plötzlich in der Wut den Entschluß faßt, einen Menschen zu 
töten, sich eine Waffe holt und die Tötung begeht, nur Tot- 
Schlag vorliegt. Dieselbe Ansicht ist auch in einem Artikel 
der Ärztlichen Rundschau zum Ausdruck gebracht worden. 
Auch der Totschläger kann sich seine Tat kurze Zeit über- 
legen, und, meine Herren, solange Sie nur den geringsten 
Zweifel haben, daß Marten nicht mit voller Überlegung ge- 
handelt hat, dann ist es Ihre Pflicht, nicht auf Mord, sondern 
auf Totschlag zu erkennen. Ich bin nicht der Meinung, daß 
Hickel und Marten den Mord vor langer Zeit verabredet 
haben. Hickel hat sich meiner Meinung nach dadurch, daß 
er Wache stand, bzw. Marten deckte, der Beihilfe schuldig 
gemacht. Das Gesetz gestattet bei Totschlag mildernde Um-
	        
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