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Band 1 Die Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk in der Reitbahn der Dragonerkaserne zu Gumbinnen

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 1 Band 1 (Public Domain)

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seit seiner Verheiratung nicht mehr um das Anzünden der 
Lampen gekümmert hatte, so hat seine Behauptung, er habe, 
als er in den Stall kam, laut „Matzick‘“ gerufen und sich 
darauf zehn Minuten mit Dommning unterhalten, keine Be- 
stätigung gefunden. Es ist doch nicht anzunehmen, daß Hickel 
den Matzick mit leiser Stimme rief, damit dieser Petroleum 
auf die Lampen gieße. Es ist auch nicht anzunehmen, daß 
Hickel sich mit Dommning in leisem Tone unterhalten hat. 
Ich erinnere daran, daß Dommning anfänglich gesagt hat, 
Hickel sei 1—3 Minuten im Stalle gewesen. Erst später, als 
er einsah, worum es sich handele, sagte er, Hickel sei 10—20 
Minuten im Stall gewesen. Ich bin der Meinung, Hickel hat 
sich nach erfolgtem Schuß in den Stall geflüchtet und ist 
dort 1—3 Minuten gewesen. Hickel konnte ebensowenig wie 
Marten seinen Verbleib zur Zeit der Tat nachweisen. Es ist 
wohl klar, weshalb Marten am 21. Januar gesagt hat, der 
Hund muß heute noch Farbe bekennen. Es ist ferner zu 
berücksichtigen, daß, als die Schwadron auf dem Korridor 
und später in der Reitbahn angetreten war und mit lauter 
Stimme aufgefordert wurde, die Dienstfreien und die im 
Dienst Gewesenen sollten sich gesondert aufstellen, Marten 
sich zu denen stellte, die im Dienst waren. Und als Ober- 
leutnant v. Hofmann bei Marten Haussuchung hielt und zu 
ihm sagte: Marten, Sie kommen ja gar nicht in Betracht, Sie 
waren ja im Dienst, da sagte Marten: Jawohl, Herr Ober- 
leutnant, Oberleutnant v, Hofmann nahm daher an, daß Mar- 
ten im Dienst war. Es besteht für mich kein Zweifel, daß Mar- 
ten und Hickel gemeinschaftlich den Rittmeister erschossen 
haben. Meine Herren, wir sind noch unter der alten Be- 
stimmung aufgewachsen, wonach ein Angeklagter nicht ver- 
urteilt werden konnte, wenn ihm nicht durch zwei klassische 
Zeugen die Tat bewiesen wurde, Nach der neuen Bestim- 
mung kann der Richter auf Grund der freien Beweiswürdigung 
urteilen. Wenn Sie also auf Grund der Beweisaufnahme 
zu der Überzeugung gelangt sind, die Angeklagten haben
	        
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