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Mord und Sühne

Full text: Tartarin in Berlin / Wolff, Max Josef (Public Domain)

nicht tat, wurde angerempelt. Es war ein Skandal, daß 
die Oeutschen wieder zu rempeln wagten. Sie rissen sogar 
das Maul auf und schimpften. Natürlich schimpften die 
Franzosen wieder. Von dem Schimpfen kam man zu 
Püffen, von den Puffen zu Schlägen. Die Stöcke wurden 
geschwungen, die Messer gezogen. Da ein Schrei! Einer 
der Unteroffiziere sank getroffen nieder. Aus dem Hals 
rieselte sein Blut; der Mann war tot! 
Entsetzt stob die Menge auseinander. Ein diplomatischer 
Zwischenfall schwierigster Art lag vor. Die Franzosen 
beweinten ihren gefallenen Kameraden, aber die gefühl— 
losen Oeutschen hatten kein Verständnis für ihren er— 
greifenden Schmerz. Einer der Unteroffiziere kam nach 
Hause, er schlief trotz seines Kummers vortrefflich, da 
brachte ihm die Wirtin am nächsten Morgen seine Monats- 
rechnung. 
„Ich muß mein Geld haben. Ich warte schon seit 
14 Tagen darauf.“ 
„Geld wollen Sie auch noch?“ 
„Bezahlen Sie oder ich werde klagen.“ 
Der Schmerz des Franzosen um seinen Kameraden 
erwachte beim Anblick der Rechnung, die Orohung verletzte 
ihn in seinen heiligsten Gefühlen. Durften sich die Be— 
siegten eine solche Sprache anmaßen? Nein und noch 
einmal nein! Wäre er Foch gewesen, so hätte er sofort 
einige Armeekorps mobilisiert. Oa er keine Armeekorps 
zur Verfügung hatte, so holte er kräftig aus. Schwapp! 
hatte das freche Weib einen wohlgezielten Fußtritt im 
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