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Über den Gesundheitszustand der Berliner Jugend

Full text: Fünf Jahre Landesjugendamt Berlin 1925-1930 (Public Domain)

Die Todesfälle an Tuberkulose, berechnet auf 
[00 000 der Bevölkerung, zeigen in den einzelnen Be- 
zirken beträchtliche Unterschiede: 
Bezirk 
Zahl der Todesfälle 
an Tuberkulose auf 
10000 der Bevölke- 
"ung d. 0—15jährigen 
'g 
I. Milte 
I. Tiergarten , 
II. Wedding 
IV. Prenzlauer Berg 
V. Friedrichshain . 
VI. Kreuzberg . . 
VIL Charlottenburg 
VIII. Spandau . 
IX. Wilmersdorf 
X. Zehlendorf , 
XI. Schöneberg 
AI Steglitz . 
XIII. Tempelhof 
KXJTV, Neukölln 
X”. Treptow . 
X +, Cöpenick 
X =, Lichtenberg 
Weißensee , 
Pankow . . 
%_... Reinickendorf 
Ohne einen absoluten Zusammenhang zwischen Ge- 
sundheitszustand einer Bevölkerungsschicht und der 
Möglichkeit einer ausreichenden ärztlichen 
Versorgung Konstruieren‘ oder behaupten zu 
wollen, muß es. doch auffallen, daß die Vertei- 
lung der Aerzte in Groß-Berlin in einer 
Ordnung erfolgt, welche die geringsten Zahlen für die 
armen Bezirke, die höchsten Zahlen für die wirtschaft- 
‚ich stärkeren Bezirke ergibt. (Abb. 3.) Wenn auch für 
diese Verteilung der Aerzte in einer Großstadt mannig- 
fache Gründe von Bedeutung sind, so wird letzten 
Endes doch auch hier die Existenzmöglichkeit eines 
Standes und die Größe der Nachfrage die Verteilung 
wesentlich beeinflussen. Daß sich hieraus wieder 
Folgen für den Gesundheitszustand ergeben, dürfte 
kaum zweifelhaft sein. (Tab. 3.) 
Aerzte entfielen Ende 1928 auf 10000 Einwohner: 
<reisarzt-Bezirk Aerzte Kreisarzt-Bezirk Aerzte 
Mitte 2.0.0.0... . 14,8 Spandau . . 2.0.0.0. 79 
Tiergarten . .. . . 24,0 Wilmersdorf . . . . . 34,0 
Wedding ...0.0.0. 7,3 Schöneberg . . . . 25,8 
Prenzlauer Berg . . . 5,5 Steglitz. ... . . . 161 
Friedrichshain ... . . 61 MNeukölin .. 2.0... 60 
Kreuzberg . ... .. 10,1 Treptow . ..... 5,7 
Charlottenburg . 36,6 Fankow . . .. 0... 85 
31. 12. 1928: 14,2 im Durchschnitt 
Es könnte reizvoll erscheinen, die Abhängigkeit des 
Gesundheitszustandes der Familie von der sozialen 
Struktur des Wohnviertels durch weitere Belege zu er- 
härten; leider ist das zur Verfügung stehende, brauch- 
bare Zahlenmaterial zu gering. Die wenigen An- 
gaben können aber schon zeigen, daß ein Gesamturteil 
über den Gesundheitszustand einer Millionenstadt, das 
sich nur auf Durchschnittswerte der Statistik stützt, 
für das einzelne Individuum, für die einzelne Familie 
und für die Einwohnerschaft eines bestimmten Stadt- 
bezirkes nur bedingte Gültigkeit haben kann. Nur 
unter. diesem Gesichtspunkt können die folgenden Aus- 
Führungen richtig gewertet werden, 
2. Wandlungen im Gesundheitszustand 
der Berliner Jugend ; 
Mit der Jahrhundertwende machte sich allerorten 
eine rasch fortschreitende Besserung der Gesundheits- 
verhältnisse der gesamten Bevölkerung bemerkbar, an 
der auch die Abnahme der Krankheitshäufigkeit und 
Sterblichkeit in allen Stufen des Kindesalters wesent- 
ıich beteiligt war. Lediglich die Kriegs- und Nach- 
kriegsjahre vermochten diesen Weg zu einem besseren 
Gesundheitszustande der Bevölkerung vorübergehend 
zu unterbrechen. Auch an der Jugend der Stadt Berlin 
läßt sich für alle Altersstufen nachweisen, daß im Ver- 
gleich mit Zeiten vor 20 und 30 Jahren heute eine Sen- 
kung in der Gefährdung der frühen Lebensalter er- 
reicht ist, wie sie kaum möglich schien. Der sozialen 
Fürsorge kommt an dieser Besserung des Gesundheits- 
Auf etwa je 2000 Einwohner entfallen Ärzte: 
)* 
Bez. Prenzlauer Berg 
Bez. Friedrichstadt 
Bez. Wedding 
Bez. Spandau 
Bez. Neukölln 
Bez. Treptow 
Bez. Kreuzberg 
Bez. Pankow 
Bez. Mitte 
Bez. Steglitz 
Bez. Tiergarten 
Bez. Schöneberg 
% 
a 
Bez. Wilmersdorf 
Bez. Charlottenburg
	        
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