Path:
Bildungspflege / Bekämpfung von Schund und Schmutz

Full text: Fünf Jahre Landesjugendamt Berlin 1925-1930 (Public Domain)

Rechnung getragen wird. Atemübungen in der kräft! 
gen Luft sorgen für Stärkung der Lungen. Durch 
längere Wanderungen werden die Kinder auch an 
größere Anstrengungen gewöhnt, allerdings erst dann; 
wenn sie einige Zeit in unserem Heim gewesen sind 
und sie bereits soweit gekräftigt sind, daß man an die 
Körper erhöhte Anforderungen stellen kann. 
Erst dann kann jedoch von einer nutzbringenden 
Körpererziehung gesprochen werden, wenn durch 
reichliche und kräftige Nahrung dem Körper auch ge- 
nügend Stoffe zum Verarbeiten zugeführt werden. 
Ist doch die Ernährung das Rückgrat jeder Er- 
holungspflege, mit ihr steht und fällt der Erfolg. Kein 
Abstrich an ihr Jäßt sich in irgendeiner Form er- 
setzen. Landschaftliche Lage, Spiel und Badegelegen- 
heiten, Vergnügen und Feste entbehren für die Jugend 
jeden Reiz und sind für ihre Erholung und Auf- 
Frischung belanglos, solange nicht der ersten Be- 
dingung, der substantilen Aufbesserung des jugend 
lichen Körpermaterials im vollsten Maße Genüge ge- 
leistet ist. Ein Heim, das hierzu nicht durchaus im- 
stande ist, das aus diesem oder jenem Grunde in dieser 
Beziehung sparen muß, oder zu sparen sucht, schließe 
man lieber heute als morgen. Das Heim ist eine Karri- 
Katur dessen, was es sein sollte, wenn es auch sonst 
an Aufmachung alles Erdenkliche leistet. 
Diese Erkenntnis hat uns in Nest stets dazu veran 
laßt, den Kindern nicht nur reichliches, sondern auch 
schmackhaftes Essen zu verabreichen, und zwar er- 
halten die Kinder fünf Mahlzeiten am Tage; und ängst- 
liche Mütter können beruhigt sein, im Nester Heim ist 
noch jedes Kind satt geworden. Die Kinder erhalten 
nicht nur eine Portion, sondern sie können solange 
essen, bis sie satt sind, aber auch hierbei wird die in- 
dividuelle Behandlung des Kindes beachtet, indem die 
Lehrer, welche die Kinder während der ganzen Er: 
holungszeit betreuen, das Essen austeilen und über- 
wachen. 
In der großen Speisehalle — die ehemalige Flug- 
halle —, die zugleich Fest- und Versammlungsort ist, 
werden die Hauptmahlzeiten eingenommen. Dieser 
Raum bietet Sitzgelegenheit für 500 Kinder und wird 
in zwei Abteilungen das Essen an die Kinder verab- 
folgt. 
In großen Kesseln brodelt die nahrhafte Kost 
Pünktlich zur Minute stehen die Mahlzeiten auf dem 
Tische, wenn von Spiel und See singend die Kinder 
einziehen. Am ersten Tage stochelt wohl manch Sup- 
penkasper mißvergnügt in seinem Teller. ;,Mutter 
kocht anders!‘ Anders wohl vielleicht, ob sie aber 
auch so viel Kräftiges in den Topf tun kann, wie der 
Koch im Heim? Und die molligen pommerschen Mar- 
iells, die hier in der Küche den Stab schwingen, wissen 
zesser, als Berliner Elendskinder, was gute Kost ist. 
\ber schon am zweiten und dritten Tage wissen es all 
Jie kleinen Gäste auch, und die am meisten gemeckert, 
öffeln am fleißigsten. Mit runden Bäuchlein kugeln 
;ie in ihre Bettstatt zur mittäglichen Ruhe. 
In der Bäckerei, die mit allen modernen Einrich- 
‘ungen und elektrischem Kraftbetrieb versehen ist, 
werden täglich 120 kräftige Landbrote, 3000 knusprige 
Schrippen und 3000 von den Kindern so sehr geschätz- 
‚en Berliner Schnecken hergestellt, die in der Stullen- 
sammer dann auf die einzelnen Gruppen verteilt 
werden. 
Welche Mengen von hochwertigen Lebensmitteln 
während der Sommerzeit verbraucht werden, zeigt 
nachstehender Auszug: 
Milch 0 
Eier . .. 
Butter . 
Andere Fette 
Zucker . . 
Hülsenfrüchte 
Mehl . . 
Kartoffeln . 
Gemüse . 
Obst . . 
Fleisch . . 
Wurstwaren . . .. 
Fisch- und Räucherwaren . 
Die Betreuung und Erziehung der Kinder erfolgt in 
len Familiengruppen durch die Pfleger oder Pflege- 
rinnen. Das Pflegepersonal besteht aus Junglehrern. 
Ostseerholungsheim Nest: Zeichenunterricht 
Junglehrerinnen, Jugendwohlfahrtspfleger, Jugend- 
oflegerinnen, Hortnerinnen, Kindergärtnerinnen und 
geprüften Krankenschwestern, also aus Personen, die 
entweder eine hygienische, soziale oder pädagogische 
Schulung erfahren haben, und die viel Lust zum prak- 
tischen Helfen besitzen; denn ein Berufspflegertum, 
das nur leiten, aber nicht mit Hand anlegen will, ist im 
67
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.