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7. Andrees Besuch bei der Luftschiffer-Abteilung

Full text: Aus 34 Jahren Luftfahrt / Tschudi, Georg von (Public Domain)

46 7. ANDREES BESUCH BEI DER LUFTSCHIFFER-ABTEILUNG 
verwandt. Die Entzündung des Gases, die Flamme und der 
Knall bewirkten nun, daß der in der Nähe stehende, das Netz 
hissende Mann losließ, wodurch das an den Auslaufleinen 
noch auseinandergezogene Netz herabfiel und die auf der nun 
brennenden Hülle liegenden Leute bedeckte und ihnen da- 
durch das Entkommen aus dem Brandherd fast unmöglich 
machte. Ein Mann verstatb alsbald an seinen Brand- 
wunden, der andere war schwer verletzt, wurde aber 
wiederhergestellt. Natürlich wurde diese Art der Ballon- 
entleerung verboten. 
Während meiner späteren fünfjährigen Führung der Luft- 
schifferkompagnie war der geschilderte Fall der einzige einer 
elektrischen Gasentzündung bei Füllung bzw. Entleerung 
eines Ballons, bis auf einen Fall einer Selbstentzündung beim 
Füllen aus Gaswagen. Unter meiner Aufsicht wurde ein Fes- 
selballon gefüllt, was bequem in 2—3 Minuten (bei 600chm 
Gas) geschehen konnte, Die erforderlichen 120 Stahlzylinder 
mußten dann allerdings flott hintereinander von den 12 Mann 
des Gastrupps — je 2 Mann an jedem der 6 Wagen — auf- 
gedreht werden. In diesem Falle nun blies durch eine kleine 
Undichtigkeit am Füllrohr dicht am Gasbehälter ein feiner 
Gasstrahl auf Ärmel und Brust eines Mannes. Sofort brannte 
das Gas und gleich darauf die der Flamme ausgesetzte 
Wagenstirnwand. Ich pfiff die Füllung ab, kommandierte 
Ballon Marsch, Richtung . . . — natürlich weg von den 
brennenden Wagen — und hatte die große Genugtuung, daß 
kein Mann seinen zugeteilten Platz verlassen hatte, Der ge- 
fährdete Mann des Gastrupps war nicht erheblich verletzt 
und wurde wiederhergestellt. Von der entzündeten Wagen- 
wand war infolge schnellster Löschung mit Wasser kaum 
die Farbe verbrannt. 
Bei Landungen sind häufiger Gasentzündungen, sicherlich 
auch infolge elektrischer Funkenbildung, entstanden, aber 
solange ich der Luftschiffertruppe angehörte, ist kein Ballon- 
fahrer dabei nennenswert verletzt worden.
	        
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