Path:
III. Finanzpolitik der Hochbahngesellschaft

Full text: Zur Geschichte der Hochbahngesellschaft / Wittig, Paul (Public Domain)

Die Darlegungen unter I. zeigen, unter welchen Zwangs- 
verhältnissen die Linien der Hochbahngesellschaft entstanden 
sind. Die Trasse der ersten Linie lag wirtschaftlich keines- 
wegs besonders günstig, da sie außerhalb der alten Ring- 
mauer und in großer Ausdehnung über unbebautes eisenbahn- 
fiskalisches Gelände geführt werden mußte, bevor sie den 
verkehrsreicheren westlichen Hauptstraßenzug erreichte. 
In Finanzkreisen war damals die Ansicht verbreitet, daß die 
neue Schnellbahn zwar ein „technisch sehr interessantes 
Experiment“ sei, aber wegen der außerordentlich hohen An- 
lagekosten zu einem wirtschaftlichen Erfolge nie führen könne. 
Es muß der Deutschen Bank als Verdienst angerechnet werden, 
daß sie sich trotzdem entschloß, das Risiko der Finanzierung 
auf sich zu nehmen. Hätte sich das Mißtrauen der Finanz- 
kreise bestätigt, so wäre die Entwicklung des Schnellbahn- 
wesens in Deutschland auf längere Zeit gehemmt, wenn nicht 
in Frage gestellt worden. 
Im übrigen ist bereits ausgeführt, daß die Verlängerungen 
der Stammlinie durch die Verhältnisse gegeben und für die 
Linienführung der Aufschließungsbahnen nach dem Westen und 
Südwesten die Wünsche der Gemeinden bestimmend waren. Die 
Hochbahngesellschaft war also überhaupt nicht in der 
Lage, ihre Linien etwa nach eigenen Wünschen auszuwählen. 
Im übrigen hatte die Gesellschaft als Erwerbsunternehmen 
natürlich die Pflicht, für das ihr von den Aktionären über- 
lassene Kapital eine angemessene Verzinsung zu erwirtschaften, 
Nur so konnte sie sich für die weitere Durchführung des Unter- 
nehmens das Vertrauen des Geldmarktes und die Möglichkeit 
der Ausgabe neuer Werte erhalten. Wie unzutreffend die An- 
schauung ist, daß sie sich zu stark von finanziellen Ge- 
17
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.