HISTORISCHE AUSSTELLUNG DER ROYAL
AERONAUTICAL SOCIETY OF GREAT BRITAIN
Von LG. Hodgson (London).
Die Ausstellung der Royal Aeronautical Society ol Great Britain
verfolgt den Zweck, die Entwicklung der Luftfahrt in Großbritannien
von den frühesten Zeiten bis zur Jetztzeit durch Bücher, Manuskripte,
Gravüren, Zeichnungen und Photographien zu veranschaulichen.
Das für eine derart große, auf hunderte von Jahren sich erstreckende
Übersicht zur Verfügung stehende Material ist begreiflicherweise beschränkt
und muß einer Auswahl unterliegen. Ungeachtet dieser
Vorbehalte glauben wir, daß die gegenwärtige Ausstellung im Hinblick
auf die chronologische Folge einen vollständigeren Überblick auf die
Entwicklung der Luftfahrt in Großbritannien gewährt, als es je eine
Frühere getan hat. Darüber hinaus veranschaulicht sie auch die allremeinen
Züge der Luftfahrtideen anderer Länder während der
letzten sechshundert Jahre. 4
Die früheste Erwähnung vom Fluge findet sich in Großbritannien,
wie in älteren Ländern, in der Sage. So gibt es z. B. deren eine von
Bladud, einem mythischen König der Briten, der 860 Jahre v. Chr.
gelebt haben soll. und der der Vater von Köniy Lear aus Shakespeares
unsterblicher Tragödie war. Von ihm wird erzählt, er habe
— wie iü. der bekannten Sage von Dädalus und Ikarus — Flügel an
seine Arme gehunden und sei, als er seinem Volke in der Stadt Trinobantum
(d.L. London) zeigen wollte, daß er fliegen könne, zur Erde
gestürzt und getötet worden. Indem wir von der sagenhaften
Periode zum geschichtlichen Zeitalter übergehen, möchten wir darauf
hinweisen, daß Roger Bacon der erste Mann der Wissenschaft war, der
das Problem des mechanischen Fluges erwähnt; und zwar schrieb er
etwa um 1250 in einer Abhandlung von der Möglichkeit, eine Maschine
zum Fliegen mit Flügeln zu konstruieren, um „Nach Art der Vögel
die Luft zu schlagen“. An dieser, der Natur entnommenen Analogie,
(ie später als Vogelflugmethode bekannt wurde, hat man trotz zahlloser
Fehlschläge und trotz der wissenschaftlichen Beweisführung, daß
der Menschenflug mittels Flügelschlag ein Ding der Unmöglichkeit sei,
bis ins 19. Jahrhundert festgehalten. So wurde denn während der
folgenden vierhundert Jahre kein Fortschritt gemacht, und es giht
nichts zu berichten, wenn nicht über vereinzelte Flugversuche mit
Flügeln, die unvermeidlich mit einem Fehlschlag enden mußten.
Aber die Idee des Fliegens blieb bestehen. und während des
17. und 18. Jahrhunderts wurde sie oft zum Gegenstand dichterischer
Erfindung wie auch wissenschaftlichen Denkens. Der erste „Flug‘-Roman,
Bischof Godwins „Mann im Monde“ (1638), ist bemerkenswert
für die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung, daß es eine große
Ehre wäre, der erste fliegende Mensch zu sein. Bekannter sind
Paltocks „Peter Wilkins Abenteuer“, 1751, in denen eine Rasse beschwingter
Menschen beschrieben wird. Diesem Buche folgte 1759
Dr. Samuel Johnsons „Prinz von Abessinien („Rasselas“) mit sciner
Andeutung an das Flugzeugprinzip: „Ihr werdet notwendigerweise
in die Luft emporgetragen. wenn Ihr einen Impuls über sie schneller
wiederholen könnt, als sie vor dem Druck zurückweichen kann.”
Hinsichtlich des wissenschaftlich-technischen Standpunkts berichtet
ein Zeitgenosse von dem großen Gelehrten und Mechaniker Robert
Hooke, er habe 830 verschiedene Arten, zu fliegen, erfunden, und
es ist bekannt, daß er im Jahre 1655 Versuche mit Flügel-Flugınodellen
anstellte, die durch Federn in Bewegung gesetzt wurden.
Ungefähr um dieselbe Zeit schrieb Hookes Freund, Bischof Wilkins.
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