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III. Wie helfen wir uns? e) Das Arbeitslosenproblem

Full text: Wie helfen wir uns? / Böß, Gustav (Public Domain)

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Gesetz jetzt durchzubringen? Das ist mit Einschränkungen 
zu bejahen. Ist der Entwurf so wie vorgeschlagen zu 
billigen? Diese Frage muß verneint werden. 
Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland ist jetzt 
bedeutend höher als in der Vorkriegszeit. Im jetzigen 
Reichsgebiet waren nach der Berufszählung von 1907 
271% Millionen Menschen erwerbstätig. Heute schätzt das 
Statistische Reichsamt in dem ‚Material für ein Studium 
von Deutschlands Wirtschaft, Währung und Finanzen“ 
Anfang 192% die Erwerbstätigen auf etwa 33 Millionen. 
Dieser Zuwachs ist aus der Herabsetzung der Heeres- 
stärke von 800 000 auf 100000 Mann, den Veränderungen 
im Altersaufbau der Bevölkerung und der Rückkehr zahl- 
reicher Angehöriger der verarmten Rentnerschicht in das 
Erwerbsleben zu erklären. Allein bei den Arbeitern be- 
rechnet das Statistische Reichsamt die Steigerung von 
13 Millionen auf schätzungsweise 16 Millionen. Im Lichte 
dieser Zahlen und gemessen an dem Produktionsrückgang 
gegenüber der Vorkriegszeit ist heute die Erwerbslosen- 
ziffer nicht nur als Ausdruck einer wirtschaftlichen 
Krise und der „Rationalisierung“ zu werten, sondern 
auch einer Übervölkerung, deren Ausmaß noch 
nicht ausreichend erkennbar ist. 
Trotz dieser Lage erachtet es der Deutsche Städtetag 
als notwendig, sobald wie möglich die Erwerbslosenfür- 
sorge in die Arbeitslosenversicherung zu überführen. Die 
Arbeitslosenversicherung stellt den Abschluß einer langen 
sozialrechtlichen Entwicklung und zugleich die Erfüllung 
einer in der Verfassung gegebenen Verheißung dar, die 
nicht länger hinausgeschoben werden darf. 
Diese Gedanken hat die Reichsregierung auch nicht 
verkannt. Falsch war es aber m. E., die Ausgestaltung der 
Versicherung im einzelnen von versicherungstechnischen 
Erwägungen bis zu dem Grade abhängig zu machen, daß 
darunter der praktische Nutzen der Erwerbslosenversiche- 
rung leidet, und ferner neue Versicherungseinrichtungen 
zu schaffen, während bei den Selbstverwaltungskörpern
	        
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