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III. Wie helfen wir uns? c) Die Personalfrage in Staat und Wirtschaft

Full text: Wie helfen wir uns? / Böß, Gustav (Public Domain)

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einer vom Reichsverband der mittleren Postbeamten auf- 
gestellten Übersicht aus 100 kleineren Gemeinden wird 
durch Vergleich der Postgehälter mit den Gehältern der 
letzteren eine scheinbare Bevorzugung der Kommunal- 
beamten in sämtlichen Teilen des Reichs aufgezeigt. 
War diese Steigerung des Besoldungsaufwandes anderen 
Beamtenklassen oder Schichten der Bevölkerung gegenüber 
ein Unrecht? Wer die nervenzerrüttende, aufreibende Ar- 
beit gerade der Notwirtschaft kennen gelernt hat, muß 
das bestreiten. Die Beispiele liegen auf der Hand: Die 
Wohnungszwangswirtschaft hat nicht nur mehr Personal 
erfordert, sondern auch den leitenden Kräften Aufgaben 
gestellt, für die es in der Friedenszeit keinen. Vergleich 
gibt. Wer kannte früher Tarifämter? Heute fordert das 
neue Arbeitsrecht von deren Beamten Kenntnisse und Lei- 
stungen, die in der Vorkriegszeit überhaupt nicht in Frage 
kamen. Das Steuerrecht, das Notwirtschaftsrecht, die Be- 
soldungs- und Lohnarbeit in der Inflation haben Arbeits- 
pensen geschaffen, die quantitativ und qualitativ größer 
sind als im Frieden. Die Leistungen der Kommunalbeam- 
ten wie auch unserer Beamtenschaft überhaupt sind heute 
im Durchschnitt höher qualifiziert als in der Vorkriegs- 
zeit und rechtfertigen nach Friedensbegriffen teilweise 
eine höhere Besoldung. Manche zweifelhafte Nebenerschei- 
nung, wie namentlich Eingruppierungen und Beförderun- 
gen in den Ministerien, müssen für dieses Urteil außer 
Betracht bleiben. 
Trotzdem sind diese Erhöhungen des Besoldungsauf- 
wands ungesund. Sie sind ein Ausdruck der oben geschil- 
derten Aufblähung der Aufgaben durch notwirtschaft- 
liche Erscheinungen, und müssen mit diesen rechtzeitig 
und ausnahmslos — in Reich, Ländern und Gemeinden — 
ihre Deflation erfahren. 
Wie soll das geschehen? Ein Personalabbau in dem 
Stil, wie wir ihn eben hinter uns haben, scheint. nicht der 
richtige Weg. Er hat viel Unruhe und Verbitterung er- 
zeugt und sein finanzielles Ergebnis befriedigt wegen der 
zu zahlenden Pensionen und Wartegelder auch nicht.
	        
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