Path:
2. Kapitel. Die derzeitige Wohnungsfürsorge

Full text: Die Berliner Wohnungsversorgung / Haberland, Georg (Public Domain)

lasteten das Gesamtergebnis also nicht in der gleichen Weise wie dies 
jetzt der Fall ist, wo man Baublocks errichtet, die überhaupt nur Klein⸗ 
wohnungen euthalten. Je kleiner die Wohnungen sind, desto größer 
sind erfahrungsgemäß prozentual die Mietsausfälle, und diese be— 
lasten das Gesamtergebnis natürlich in weit höherem Maße als bei 
der Vermischung von größeren und Kleinwohnungen in einem Hause. 
Da wir, wie später beleuchtet werden wird, jetzt nur Randbebauung 
in meist dreistöckigen Häusern haben, so ist bei der geringeren Be⸗ 
bölkerungsdichte der Bedarf an Läden ein verhältnismäßig geringerer, 
der Eingang an Ladenmieten kann keinen Ausgleich für die erhöhten 
Mietausfälle schaffen. 
So erklärt es sich, daß trotz des großen Wohnungsmangels das 
Pribatkapital nicht die Möglichkeit findet, aus eigener Kraft das 
Wohnungsbedürfnis zu befriedigen, weil eben die wirtschaftliche 
Grundlage der Rentabilität fehlt. Selbst wenn diese vorhanden wäre, 
so bildete bis jetzt auch der Mangel an Kapital ein nicht zu unter⸗ 
schätzendes Hindernis für die Betätigung des Privatkapitals. Bei den 
hypothekarischen Beleihungen, die von Hypothekenbanken und Ver⸗ 
sicherungsgesellschaften gewährt werden, ist man von dem Gedanken 
ausgegangen, daß die Baukosten eine schwankende Tendenz haben und 
geringer werden können. Aus diesem Grunde wurde die Wert— 
bemessung der Neubauten nur mit großer Vorsicht vorgenommen, 
und das eigene Kapital des Erbauers hätte die Hälfte der Herstellungs⸗ 
kosten und noch mehr betragen müssen. Ganz abgesehen davon, daß die 
Aufbringung solcher Kapitalien sehr schwierig ist, würde sich kaum 
semand gefunden haben, der bei dem geschilderten Risiko des Haus— 
besitzes geneigt wäre, Kapitalien zu investieren, die im besten Falle 
keine höhere Verzinsung ergeben könnten als die Anlage in Pfand⸗ 
briefen oder anderen festverzinslichen Papieren. 
Aus dieser Erwägung entstand die früher übliche Zuschußwirtschaft 
und die jetzt geübte Gewährung von Hauszinssteuerhypotheken zu 
einem billigen Zinsfußß. Beides hatte den Zweck, den Ausgleich für 
den hohen Hypothekenzinsfuß und die erhöhten Baukosten einerseits 
und die dadurch verursachte ungewöhnlich hohe Miete andererseits
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.