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Full text: Wohnungsbauten der Deutschen Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaues Gemeinnützige Aktiengesellschaft / Koeppen, Walter (Public Domain)

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Ein Kennzeichen unserer Zeit ist der Mangel eines einheitlichen Architekturstils. Bei dem Vergleich 
der beigegebenen Abbildungen von den Bauten der Degewo tritt diese Tatsache ebenfalls in Er- 
scheinung. Man erkennt, daß ein Teil der entwerfenden Architekten die Formengebung mehr oder 
weniger eng an die Ueberlieferung anknüpfen und die Erkenntnisse der Vorfahren bei der Bewäl- 
tigung der neuartigen Aufgaben verwerten möchte, während ein anderer Teil sich in der heutigen 
Zeit einer entwickelteren Technik von den überlieferten Formen abwenden und die architektonische 
Gestaltung in völlig neue Formen gießen will. 
Es soll hier nicht zu entscheiden versucht werden, welcher Richtung der Vorzug zu geben ist. Wir 
wollen nur feststellen, daß bei aller Verschiedenheit der Auffassung jeder Bau der Degewo in 
seiner Art eine wohlgelungene Lösung darstellt, und daß die Grundbedingung alles architektonischen 
Schaffens, die einwandfreie technische Durchbildung, überall erfüllt ist. Hinzu kommt die gewissen- 
hafte und saubere Ausführung, welche der Fachmann bei der überaus lohnenden Besichtigung der 
Bauten erkennt. Sie zeigt, daß ebenso sorgfältig wie die Auswahl der Architekten auch die Wahl 
der bauausführenden Firmen vorgenommen worden ist. 
FINANZIERUNG UND WIRTSCHAFTLICHKEIT 
Alle diese Bauten in ausreichender Weise zu finanzieren und ihre Wirtschaftlichkeit sicherzustellen, 
bereiten bei der Kompliziertheit der Geldbeschaffung und bei der Teuerung der Baustoffe, welche 
jetzt etwa bei 170 Prozent der Friedenspreise angelangt ist, bei der Steigerung der Löhne und dem 
hohen Zinsfuß, der für die ersten Hypotheken gezahlt werden muß, außerordentliche Schwierigkei- 
:en. Um die Mieter der neu erstellten Wohnungen nicht allzu sehr zu benachteiligen, muß es erreicht 
werden, daß die Mieten der Neubauwohnungen die der Altwohnungen nicht zu sehr überschreiten. 
Als Maximum für die Ueberschreitung kommt allerhöchstens ein Mietssatz von 130 Prozent der Frie- 
densmieten in Frage. Dieses Ziel muß erreicht werden, trotzdem die Wohnungen entsprechend unse- 
rer heutigen Erkenntnis von den zu stellenden Ansprüchen auf dem Gebiet der Hygiene und Woh- 
nungskultur auszustatten sind. Der Degew<o ist es gelungen, bei der Finanzierung ihrer Bauten mit 
diesen Mietsätzen auszukommen dank der Unterstützung, welche sie als gemeinnützige Gesellschaft 
für ihre Geldbeschaffung bei den maßgebenden Behörden gefunden hat. Erschwert wurde ihr diese 
Aufgabe bei den Bauten, deren Baugrundstücke in unaufgeschlossenem Gelände oder an unfertigen 
Straßen liegen, durch die hohen Anforderungen für die Ausstattung der Straßen und durch die gro- 
Ben Kosten der Leitungen. Es ist selbstverständlich, daß in der Großstadt auf Be- und Entwässerung, 
auf Zuleitung von Gas und Elektrizität, sowie auf eine ausreichende Befestigung der Dämme und 
Bürgersteige nicht verzichtet werden kann. Es muß aber unbedingt mit Rücksicht auf die Mietpreise 
der Klein- und Mittelwohnungen gefordert werden, daß die weitmöglichste Sparsamkeit zugelassen 
wird. Wo es sich um Wohnstraßen handelt, kann die Bemessung des befestigten Teiles der Straße 
ohne Schaden sehr bescheiden gehalten werden. Uebergroße Kosten für Verkehrsstraßen und für
	        
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